|
Kaum ein Taekwondo-Buch kommt ohne ein Kapitel über das Ki aus. Der Gedanke lag also nahe, diesem Thema auch einmal einen eigenen Artikel in Taekwondo Aktuell zu widmen.
Allerdings erwiesen sich die Recherchen als problematischer als gedacht, denn ohne eine fundierte Kenntnis der chinesischen Philosophie scheint das der Begriff Ki kaum zu erklären – wenn überhaupt. Wobei die Tatsache, dass sich das Ki einer einfachen Definition entzieht, bereits Erkenntniswert hat: Immerhin ist es eine zentrale Größe im asiatischen Weltverständnis – kein Wunder, dass es sich nicht in einem kurzen Lexikoneintrag abhandeln lässt. Ähnlich komplex würde es sich zum Beispiel gestalten, im westlichen Kulturraum auf die Suche nach der Bedeutung des Begriffs „Seele“ zu gehen.
Versuchen wir trotzdem, uns dem Ki von verschiedenen Seiten aus zu nähern und dabei herauszufinden, in welchem Zusammenhang es mit dem Taekwondo steht.
Einen ersten Aufschluss über einen Begriff kann im chinesischen stets das Schriftzeichen geben, das dafür verwendet wird. So ist die eigentliche Bedeutung des Ki-Schriftzeiches „Dampf, der von kochendem Reich aufsteigt“. Später wurde dieses Bild als die nährende Kraft von Lebensmitteln interpretiert, die Voraussetzung für Leben und menschliche Energie ist. Sehr viel mehr Aufschluss liefert das Logogramm des Ki leider nicht. Wörtlich übersetzt kann Ki unter anderem Energie, Atem, Luft, Dampf und Hauch aber auch Temperament, Kraft oder Atmosphäre bedeuten.
Ursprung im Dunkeln
Die Idee des Ki entstammt dem Daoismus. Neben dem Konfuzianismus und dem Buddhismus ist der Daoismus eine der bedeutenden „drei Lehren“ Chinas. Wann genau der Daoismus entstand, ist ungeklärt. Er ist ursprünglich eine Philosophie, hat sich aber im Laufe er Jahrhundert in verschiedenen Ausprägungen entwickelt und wird heute auch als Religion praktiziert. „Dao“ bedeutet Weg – es ist als „Do“ in Taekwondo und andere Kampfkünste eingegangen. Besonders bekannt ist das Konzept von Yin und Yang, das eine Grundlage des Daoismus ist. Das Yin-Yang-Symbol findet sich heute besonders prominent auf der koreanischen Flagge – und damit auch auf zahllosen Doboks im Taekwondo. Dennoch ist der Daoismus eigenartigerweise in Korea wenig verbreitet und seine Bedeutung für die koreanische Kultur wird erst in jüngerer Zeit erforscht.
|