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Carlos Granados

Trainer, Kampfrichter, Sporttherapeut

Wer wissen möchte, wie vielseitig Taekwondo ist, sollte sich mit Carlos Granados unterhalten.

Der in Würzburg lebende Costa Ricaner hat sich in der deutschen Taekwondo-Szene vor allem als Kampfrichter einen Namen gemacht. Doch er engagiert sich auch als Trainer in zwei Vereinen, arbeitet an Projekten zur Gewaltprävention mit und vermittelt Taekwondo als Familiensportart. Als Sporttherapeut setzt er Elemente aus der koreanischen Kampfkunst für die Behandlung von psychosomatischen Erkrankungen ein. Wir sprachen mit dem Diplom-Sportwissenschaftler über seine Projekte und Erfahrungen.

TA: Herr Granados, Sie stammen aus einer echten Taekwondo-Familie – könnten Sie uns beschreiben, wie alles anfing?
Carlos Granados: Mein vollständiger Name ist Carlos Luis Granados Villalobos – in Deutschland kürze ich ihn ein wenig ab. Mein Vater ist Carlos Luis Granados Calderon. Er hat 1976 eine Taekwondo Schule in Costa Rica gegründet. Drei seiner Geschwister, mein Bruder und mein Halbbruder haben ebenso dort trainiert, wir haben alle den schwarzen Gürtel. Mein Vater nahm 1979 für Costa Rica an der Weltmeisterschaft in Sindelfingen teil – das war für mich der erste indirekte Kontakt zu Deutschland. Seine Schule nannte er Taekwondo CHALE – Chale ist ein Spitzname von Carlos. Viele seiner Schüler kämpften in der Nationalmannschaft.

TA: Waren Sie auch Mitglied im Nationalkader?
Carlos Granados: Ja, ich habe zum Beispiel 1996 an den Panamerikanischen Meisterschaften teilgenommen und dort gegen Steven Lopez gekämpft. Das war mit Sicherheit der wichtigste Kampf in meiner aktiven Laufbahn. Steven Lopez hat mir gezeigt, was ein echter Meister ist: Er hat seine Kraft genau gesteuert und war trotz seiner Erfolge kein bisschen eingebildet und respektierte seine Gegner. Ich bewundere ihn sehr.

TA: Worauf legt Ihr Vater als Trainer besonders viel Wert und wie hat Sie das beeinflusst?
Carlos Granados: Meinem Vater war es immer sehr wichtig, dass die Wettkämpfer möglichst auch Kampfrichter sind und die Regeln des Taekwondo genau kennen. Ich bin deshalb selbst bereits seit 1985 auch als Kampfrichter bei Meisterschaften aktiv.
TA: Was hat Sie nach Deutschland geführt?
Carlos Granados: Ich lernte in Costa Rica meine heutige Frau Julia, eine Deutsche, kennen . 2003 bin ich mit ihr nach Deutschland gekommen, nach Passau. Mein erster Kontakt zur deutschen Taekwondoszene war Peter Obermeier vom TV Passau 1862, dem ich auf diesem Wege herzlich danken möchte. Für mich war das enorm wichtig: Ich war weit weg von zuhause, sprach damals noch kein Wort Deutsch, aber im Taekwondo war ich doch daheim.

TA: Wo sind Sie heute als Trainer tätig?
Carlos Granados: Ich war seit 2003 in fünf Vereinen aktiv. Heute bin ich für zwei Taekwondo-Abteilungen verantwortlich, in der Freien Turnerschaft Würzburg und in der Turngemeinde Veitshöchheim. Beide stehen unter dem Motto „CHALE Germany“ und sind denselben Werten verpflichtet, die auch mein Vater vertritt.

TA: Welche Werte sind das?
Carlos Granados: Insbesondere Disziplin und Respekt. Ich sehe in jedem Schüler bereits den zukünftigen Trainer, der Taekwondo in Zukunft weiterbringen könnte. Deshalb ist gegenseitiger Respekt wichtig.