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Dr. Dirk Jung ist in mancherlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Taekwondo. Er ist einer von nur vier deutschen Weltmeistern. Doch er ist auch der deutsche Sportler mit den meisten WM-Medaillen im Vollkontakt – drei Stück – und er war ungewöhnlich lange im Verband aktiv: Zwischen seinem ersten Auftritt in der Nationalmannschaft bei der Euro 1976 und seinem Abschied als Verbandsarzt 2004 liegen immerhin 28 Jahre. Dazu ist er auch noch besonders vielseitig: Er war nicht nur als Sportler und Mediziner, sondern zwischen 1985 und 88 auch als Bundestrainer tätig. Es gibt also viele gute Gründe für ein Gespräch.
TA: 1982 wurden Sie in Ecuador Weltmeister. Was hat Ihnen dieser Titel damals bedeutet?
Dirk Jung: Weltmeister zu werden war mein Lebensziel. Ich war schon 1977, bei der WM in Chicago, wo ich Bronze gewonnen hatte, dicht daran gewesen, und ich wusste, ich kann es schaffen. Der Titel hatte damals eine sehr große Bedeutung für mich.
TA: Und wie ist es heute?
Dirk Jung: Ich stelle fest, dass der Titel auch heute noch eine hohe Wertschätzung erfährt, gerade von meinen Patienten. Auf der Homepage meiner Praxis gibt es auch eine Seite, auf der meine sportliche Laufbahn dargestellt wird. Ich wollte das erst nicht, aber meine Agentur, die die Homepage gemacht hat, überredete mich dazu – und sie hat recht behalten. Die Kompetenz im Sport wird von vielen Patienten auf meine Kompetenz als Arzt übertragen. Mir fällt auch auf, dass der Titel zeitlos ist – mich hat nie jemand gefragt: „Wann war das eigentlich?“. Meistens sage ich gleich selber: „Das ist lange her.“
TA: Sie haben während Ihrer aktiven Zeit mit vielen Turnierteilnahmen und zahlreichen Erfolgen – neben den WM-Medaillen haben Sie auch zwei Europameistertitel und mehrere Deutsche Meistertitel erkämpft – Ihr Medizinstudium absolviert. Wie konnten Sie beides vereinbaren und welchen Rat geben Sie Sportlern, die heute vor der Entscheidung „Leistungssport oder Karrieren“ stehen?
Dirk Jung: Ich bin ein sehr strukturierter Mensch und habe während meines Studiums meinen Tagesablauf minutiös geplant. Zeit ist eigentlich genug: Wenn man acht Stunden schläft und acht Stunden arbeitet oder studiert bleiben ja noch acht Stunden übrig – da sollte es kein Problem sein, genug Zeit fürs Training zu finden. Eine straffe Planung ist auch mein Rat, um Sport und Studium zu vereinbaren. Man sollte dabei allerdings mit kleinen zeitlichen Verwerfungen rechnen: Ich selbst habe ein halbes Jahr länger studiert als eigentlich nötig gewesen wäre, weil ich unbedingt mit dem Nationalteam ein Turnier in Taiwan besuchen wollte. Dafür habe ich mein Physikum, welches zeitgleich stattgefunden hätte, um sechs Monate verschoben .
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