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Effortless Mastery

von Wolfgang Schmitt

Ich bin kein Musiker, ich spiele kein Instrument, ich kann kaum Noten voneinander unterscheiden, dennoch gehört, neben dem Musikhören, die Musik in vielen Facetten zu meinem Leben einfach dazu. Auch das Lesen über Musik. So bekam ich das Buch des Amerikaners Kenny Werner empfohlen. Allein der Titel fordert einen, der Taekwondo betreibt, förmlich heraus. “Effortless Mastery” heißt es, was so viel heißt wie “Meisterschaft ohne Anstrengung”.

Werner ist Jazz-Pianist, einer der Großen der Szene, und hat bereits mit vier Jahren begonnen, Klavier zu spielen. Heute unterrichtet er selbst und versucht seinen Schülern andere Wege zur Virtuosität aufzuzeigen. Wenn man so will, nutzt er gewissermaßen den Zen-Weg und rät seinen Schülern, einfach loszulassen, nicht an Vorstellungen zu kleben, nicht unbedingt mit Macht und Kraft zu wollen, sondern sich einfach dem Spiel hinzugeben. Es sei weniger wichtig, sich auf die Perfektion zu konzentrieren oder auf das, was man möglicherweise als ideales, unerreichbares Ziel vor Augen hat, man solle nicht krampfhaft versuchen, der beste Musiker der Welt zu werden. Sein Fazit: Hat man erstmal verstanden, dass die Musik nicht wirklich das Wichtigste im Leben ist, so wird man (fast automatisch) ein besserer Musiker.

Werner nutzt ein für manche etwas provozierendes, aber eindrückliches Beispiel und schreibt (sinngemäß und hier auf das Taekwondo heruntergebrochen): Nimm dir eine Plastiktüte und stülpe sie dir über den Kopf, binde sie richtig gut zu, so dass keine Luft weder hinein- noch herauskommen kann, und beginne bis 100 zu zählen. Und stelle dir dabei einige Fragen: Bei zwanzig kannst du dir vielleicht überlegen, ob die siebte Trainingseinheit in der Woche dich wirklich einen Schritt weiterbringen wird...