|
Wer sich heute für Kampfkünste interessiert, dem steht die ganze Welt offen. Und er muss dafür meist nicht einmal seine eigene Stadt verlassen: Fast überall finden sich mittlerweile Sportschulen und Vereine verschiedenster Couleur. In früheren Zeiten dominierten hingegen soziale und regionale Prägungen die Kampfkünste. Peter Hoffmann hat sich in der japanischen und koreanischen Geschichte umgeschaut.
Als Okinawa 1609 vom japanischen Satsuma-Clan besetzt wurde, waren es chinesische Einwanderer, die die Bewohner des Inselreichs in ihrer Kampfkunst trainiert haben. Das chinesische Kempo vermischte sich daraufhin mit den ureigenen Kampfkünsten der Okinawesen, was chließlich zur Entstehung des Karate geführt hat: Eine so genannte harte Kampfkunst, die vor allem auf Schläge, Tritte und Stöße setzt. Die Kampfkunst des Volkes, mit dem sich Händler, Bauern und Fischer gegen die Besatzer und ungerechte Steuern zur Wehr setzten. Um gegen die schwer bewaffneten und kampferprobten Samurai überhaupt eine Chance zu haben, wurden zudem der Umgang mit Stöcken verschiedener Länge, der Kampf mit Messern und anderen einfachen Klingenwaffen (das Tragen von Schwertern war nämlich allein den Samurai und den Ordnungshütern vorbehalten) sowie Abwehrtechniken mit Alltagsgegenständen trainiert. Wobei sich diese verschiedenen Kampfkunstlager dann auch gegenseitig inspiriert haben: So gibt es bis heute verschiedene traditionelle Samurai-Schulen, in denen Kempo, die Kunst des Faust-Fuß-Kampfes, eine wichtige Disziplin darstellt. Auch war es so, dass im Laufe der Jahre Elemente des Samurai-Aiki-Jitsu ins Karate einflossen. Es gibt daher Experten, die (bewusst vereinfachend) sagen, dass Karate eine Mischung aus Kung-Fu, okinawesischen Kampfkunstelementen und dem alten Jiu-Jitsu der Samurai darstellt. Doch können diese Erkenntnisse auch auf Korea angewandt werden?
Frühe Kampfkünste in Korea
Tatsächlich gibt es verschiedene archäologische Funde, die belegen, dass auch in Korea bereits vor über 2000 Jahren verschiedene Kampfkunststile praktiziert wurden. So zeigen Grabgemälde Krieger beim Üben von Techniken, wie sie noch heute im modernen Taekwondo benutzt werden. Wobei auch in Korea die ausgeübte Kampfkunst stark davon abhing, welcher sozialen Schicht man angehört hat. Bauern übten andere Kampftechniken als Mönche, die wiederum einen andern Stil als die Kriegerkasten hatten, für die Töten zum Alltag gehörte.
|