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Kampfsportlexikon

Was ist eigentlich Tonfa-Jutsu?

Es gibt nur wenige asiatische Waffen, die auch bei Laien derart bekannt sind und sogleich mit ihrem Namen benannt werden können: Tonfa oder Mehrzweckeinsatzstock, kurz MES.
Das mag am beinahe alltäglichen Anblick oder auch am Einfluss von Filmen liegen. Denn es gibt kaum einen US-Thriller, bei dem der Streifenbeamte, der aus seinem Dienstwagen steigt, nicht als erstes zum Tonfa greift. Freilich ist dieser Einsatzstock mit seinem charakteristischen Quergriff auch bei deutschen Polizeieinheiten vertreten. Züge, die Demonstrationen begleiten sowie BFE-Einheiten (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten) sind oftmals damit ausgerüstet.
Dabei lässt sich der genaue Ursprung der antiken Waffe heute nur noch schwer ergründen. Meist kommt uns hier als erstes die Insel Okinawa in den Sinn, die im Jahre 1609 vom japanischen Satsuma-Clan besetzt wurde. Mit all den fatalen Folgen, die hinlänglich bekannt sind: Denn die Herrschaft der Berufskrieger über das Inselreich war eine grausame Zeit, die von viel Unrecht und Toten auf beiden Seiten geprägt war. Vor allem die Okinawesen erlitten große Verluste, da Plünderungen, Folter (und das auch ohne triftigen Grund) und Morde an der Tagesordnung waren. Daher entwickelten sich Geheimbünde, die es anfangs jedoch sehr schwer hatten. Schließlich war das Tragen von Waffen, insbesondere eines Schwerts, außerhalb der Samurai-Kaste strengstens verboten und wurde, bei Missachtung, mit dem Tode bestraft. Infolgedessen entwickelten sich die typischen Okinawa-Bauernwaffen (Tonfa, Sai, Nunchaku etc.), die dieses Verbot geschickt aushebelten. Denn niemand sah diesen Alltagsgegenstände an, dass sie bei Bedarf zu einer tödlichen Waffe und damit großen Gefahr wurden!
Ursprünge in China
Dennoch darf man wohl annehmen, dass der Ursprung des Tonfa in China liegt, wo die Waffe Guai (Kuai) genannt wird. Vielleicht entstand sie aus dem abgeschnittenen Griff eines Krückstocks oder war der kümmerliche Rest einer Sense, die von einem Schwerthieb durchtrennt wurde? Laut Tonfa-Experte Werner Steigelmann (5. Dan) gibt es freilich auch Texte, die den Verdacht nahe legen, dass der Tonfa ehemals eine Kurbel an Mühlsteinen war, die dann später zur Waffe umfunktioniert wurde: „Wobei diese scheinbar harmlosen „Bauernwaffen“ jedoch auch in höheren Gesellschaftsschichten Einzug hielten und bald von der Elite Okinawas trainiert wurden.“Dennoch müssen wir davon ausgehen, dass tonfa-ähnliche Werkzeuge und Waffen bei zahlreichen Völkern des fernen Ostens in Gebrauch waren: So kannten die Chinesen ein „eisernes Lineal“, das vor allem in Zentralchina gefürchtet war.

Auch in Südchina, wo das Klima mehrere Reisernten pro Jahr ermöglicht, waren Guai-ähnliche Werkzeuge ein ganz alltäglicher Anblick. Tatsächlich sprechen, so Steigelmann, verschiedene okinawesische Quellen von einem Kampfstil, der „importiert“ wurde. Genannt wird hier ein Meister namens Matsu Higa, der einen ausländischen Tonfa-Jutsu Stil auf die Insel brachte, „wobei freilich unbekannt ist, ob dies auch tatsächlich den Anfang des okinawesischen Tonfa-Jutsu darstellt!“