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Kuatsu

Erste Hilfe aus der Kampfkunsttradition

Kuatsu - diese traditionellen Erste Hilfe-Techniken sind in Deutschland immer noch relativ unbekannt.

Eigentlich überraschend, denn das erste Kuatsu-Buch in deutscher Sprache wurde bereits 1968 vom Judoka und Polizisten Alfred Hasemeier veröffentlicht. Überliefert wurde Kuatsu durch japanische Kampfkünste wie Judo, Jiujitsu und Aikido. Hierzulande zeigen seit einigen Jahren allerdings auch immer mehr Aktive aus koreanischen Kampfkünsten wie zum Beispiel dem Taekwondo und Taekkyon, wachsendes Interesse.

Anders als die moderne “westliche” Erste Hilfe umfasst Kuatsu nicht nur Maßnahmen gegen akute Notfälle, sondern auch Methoden zur Behandlung harmloserer Beschwerden. Das Wort Kuatsu stammt war vom japanischen Kappō ab, welches grob übersetzt “Wiederbelebungsmethode” bedeutet. Im ursprünglichen Sinne ist also das Reanimieren eines Patienten mit Ohnmacht und Herz- oder Atemstillstand gemeint. Im Allgemeinen werden unter Kuatsu aber auch Maßnahmen gegen nicht-lebensbedrohliche Probleme wie Verrenkungen, Hämatome (Blutergüsse) oder sogar harmlose Beschwerden wie Seitenstechen gezählt. Daher ist es nicht ganz einfach zu definieren, was noch zum Kuatsu zählt und was schon eher in den Bereich des Heilens fällt. Der französische Arzt, Judoka und Autor Eric de Winter verfasste 1975 daher zwei Bände über die Thematik, welche er mit “Kuatsu der Reanimation” und “Kuatsu der Schmerzlinderung” betitelte. Viele der Maßnahmen basieren auf natürlichen Reflexen des Körpers, die durch Schläge oder Griffe ausgelöst werden. Häufig sind sie den Techniken der diversen Kampfstile sehr ähnlich. Die Maßnahmen unterscheiden sich allerdings teilweise stark voneinander, weshalb man für sie keine allgemeinen Prinzipien festlegen kann.
Beispiele aus der Praxis
Die nachfolgend beschriebenen Kuatsu-Maßnahmen sollten keinesfalls ohne fachliche Anleitung ausprobiert werden, denn dabei kann es zu schweren körperlichen Schäden kommen.

Ein Beispiel für eine klassische Kuatsu-Wiederbelebungsmaßnahme ist der sogenannte “Rippenbogengriff”, mit dem eine still stehende Atmung wieder in Gang gesetzt werden kann. Durch einen speziellen Griff unter die Rippenbögen und eine nachfolgende Impulstechnik (eine Art Stoß) wird eine Reflexzone stimuliert, wodurch man unwillkürlich einatmet. Diesen Effekt kann man sogar selbst spüren, wenn ein anderer die Technik bei einem übt.

Sehr erstaunlich und dabei äußerst simpel ist die Maßnahme, mit der ein eingeklemmter Kehlkopf gelöst werden kann. Hierbei schlägt man mit der flachen Hand von oben auf eine bestimmte Stelle des Kopfes. Zwei Fallbeispiele, die mir persönlich bekannte Übungsleiter erlebt haben, zeigen die Wirksamkeit dieser Technik. Der erste Anwendungsfall wurde mir von Manfred Thull aus seinem Jiu-Jitsu Training berichtet. Er hatte zuvor an einem Kuatsu-Seminar meines Lehrers Hans-Jürgen Sobota teilgenommen und war so freundlich, diesen kurzen Bericht für meine Webseite www.kuatsu.net zu schreiben:

Es sollte von den Schülern eine Abwehrtechnik gegen geraden Fauststoß bzw. Schubsen geübt werden. Mein zu übender Vorschlag war: Tai-sabaki nach links (Ausweichen mit Schritt nach links), dabei Schlag unter den Arm des Angreifers zur linken Schulter Angreifer (im Ernstfall Hals) und dann mit rechts einen O-Soto-Gari (Große Außensichel) zum Wurf.

Der Übende traf dabei den Angreifer wirklich am Hals bzw. den Kehlkopf. Folge war das Röcheln und Luftschnappen.

Ich bin sofort hin und habe mit der flachen Hand von oben auf den Kopf gehauen (der Verletzte stand). Die Besserung setzte sofort ein und die betroffene Person konnte wieder ohne Irritation atmen.

Trainer und Ausführender der helfenden Technik: Manfred Thull, 3. Dan Jiu-Jitsu
Dojo: Azemichi Goshinjutsu JC 71 Düsseldorf

 
 


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