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von Uwe Wischhöfer
Unsere Taegukformen erschienen mir weit weniger spektakulär als die zuvor erlernten Formen zu sein, die wir bis dahin praktiziert hatten. Über die offensichtlichen Verteidigungs- und Angriffstechniken hinaus erkannte ich damals noch keinen tieferen Sinn in den Bildern der Taeguk, bis ich eines Tages in einem koreanischen Taekwondo Textbuch die Zugehörigkeit zu den Trigrammen des I-Ging entdeckte. Doch diese in Dreierreihen angeordneten ganzen oder unterbrochenen Linien erinnerten mich vor allem an die Taegukki, die südkoreanische Nationalfahne, auf der vier der acht Linienmuster abgebildet sind.
Selbstverständlich wussten meine damaligen Taekwondolehrer mir den Sinn und Zweck der in den Formen verwendeten Techniken an Hand von Beispielen zu erklären. Oft jedoch führten diese Interpretationen zu sehr unterschiedlichen Aussagen. Dort wo die einen meditative Phasen in der Form interpretierten, versicherten mir andere, dass es sich um spezielle Abwehrtechniken handeln muss. Diese Unstimmigkeiten veranlassten mich, selbst nach dem Kern der Aussage in der Bewegung einer Form zu suchen. Mein Forschergeist kehrte in Gedanken in das Jahr 1969 zurück und versuchte sich in die Lage der Personen zu versetzen, die sich einst mit dem Erstellen der Taegukformen beschäftigten. Ich begann mich somit intensiv mit dem I-Ging und dessen Linienmustern anzufreunden und erkannte im Laufe der Zeit eine klare Struktur, nach welcher die koreanischen Meister vorgegangen waren. Die Taegukformen-Erfinder hielten sich beim Technikablauf exakt an die Linienmuster und an die Anordnung des „Frühen Himmels“ im I-Ging.
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