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Taekwondo für Kids

Neue Impulse in 2012

Zum 17. Mal findet im Februar das internationale Kinderturnier im Glaspalast Sindelfingen statt. Wir sprachen mit Initiator Soo-Nam Park über seine Beweggründe und darüber, wie sich Taekwondo für Kinder weiterentwickeln wird.

TA: Herr Park, seit 17 Jahren veranstalten Sie das internationale Kinderturnier – das größte seiner Art in Europa – im Glaspalast Sindelfingen. Mit welcher Motivation haben Sie das Event initiiert?
Soo-Nam Park: Vor 17 Jahre waren etwa 50 Prozent aller Taekwondo-Sportler weltweit Kinder – also eine ganze Menge. Es war mir wichtig, dass Taekwondo für diese Kinder ein positives Erlebnis ist. Gleichzeitig wollte ich natürlich erreichen, dass diese jungen Menschen dem Taekwondo-Sport möglichst lange treu bleiben. Ich rief deshalb das internationale Kinderturnier ins Leben: Ein Turnier bei dem Kinder ganz unter sich sind, das aber genauso professionelle Rahmenbedingungen hat, wie ein Turnier für Erwachsene. Im Glaspalast sehen die Kinder und ihre Eltern, was Taekwondo Ihnen in Zukunft bieten kann: Spannende Turniere in einer internationalen Gemeinschaft und in einem tollen Ambiente. Im Glaspalast fanden auch die Weltmeisterschaft 79 und der World Cup 98 statt – die Kinder sollen das Gefühl haben, dass sie in die Fußstapfen der Erfolgreichen treten. Kinder, die als Beiprogramm zu den Erwachsenen in einer tristen Dreifachturnhalle kämpfen müssen, sind viel schwerer langfristig für Taekwondo zu begeistern, als diejenigen, die regelmäßig ein Erlebnis haben, das sie aufbaut – wie den Besuch des internationalen Kinderturniers.

TA: Im nächsten Jahr soll nun die erste Kinder-Weltmeisterschaft stattfinden. Wie kam es dazu?
Soo-Nam Park: In den letzten Jahren ist der Anteil der Kinder an den Taekwondosportlern gestiegen. Er liegt heute international bei etwa 75 Prozent. Es ist deshalb an der Zeit, noch mehr für junge Sportler zu tun. Die bestehenden Sportverbände kümmern sich um Kinder ab 14 Jahren. Diese können zum Beispiel an den Olympischen Jugendspielen oder an der Jugend-WM teilnehmen. Für die Altersgruppe darunter gibt es kaum verbindliche Richtlinien. Dies ist eine Zielsetzung der neu gegründeten World Children Taekwondo Union (World CTU): Es soll in Zukunft einen speziellen Taekwondo-Lehrplan für Kinder geben, speziell zugeschnittene Kampfregeln (zum Beispiel was die Alters- Gewichts- und Altersklassen, die Größe der Wettkampfflächen und die Kampfzeiten, angeht) und eigens geschulte Kampfrichter.

TA: Welche Ziele verfolgt die World CTU über den reinen Wettkampfbereich hinaus?
Soo-Nam Park: Es gibt vier wichtige Leitgedanken: Erstens kann Taekwondo helfen, die Harmonie innerhalb der Familien zu fördern. Taekwondo ist ein gemeinsames Interesse von Kinder und Eltern, oft sogar ein gemeinsames Hobby. Gleichzeitig lernen die Kinder im Taekwondo viele Dinge, die auch im Familienleben wichtig sind: Rücksichtnahme und Respekt, Pünktlichkeit, gemeinsam mit anderen ein Ziel zu verfolgen und vieles mehr. Das zweite wichtige Thema ist die Gesundheit: Viele Kinder haben heute bereits Gewichtsprobleme, sind unkoordiniert und unbeweglich. Taekwondo hilft, Kinder vom Computer oder der Play Station wegzubringen und ihnen einen gesünderen Lebensstil zu zeigen. Der dritte Punkt ist: Kinder die Taekwondo machen, lernen, sich nicht nur in der Familie, sondern auch in der Gesellschaft besser einzufügen. Sie sind höflicher, zufriedener mit sich selbst und haben im Idealfalle eine sehr positive Ausstrahlung. Schließlich befähigt Taekwondo die Kinder zu mehr Zivilcourage: Kinder die selbstbewusst und mental stark sind, haben die besten Voraussetzungen, sich für das Wohl anderer einzusetzen.

TA: Im letzten Jahr konnten zum ersten Mal auch die Eltern am Kinderturnier teilnehmen – gemeinsam mit ihren Kindern natürlich. Wie war die Resonanz?
Soo-Nam Park: Eltern wie Kinder waren begeistert von dieser neuen Möglichkeit. Viele Eltern bestätigten, dass sie jetzt erst erkannt haben, was die Kinder leisten – wie anspruchsvoll es ist, zu trainieren und sich dann beim Turnier der Beurteilung stellen. Praktisch alle haben betont, dass sie es toll finden, zusammen mit den Kinder etwas zu machen – es gibt ja nur wenige Sportarten, die Kinder und Eltern zusammen ausüben können. Eine tolle Erfahrung für alle war auch, dass hier einmal die Kids ihren Vätern und Müttern etwas beibringen konnten – das hat sie sehr stolz gemacht. Ein schöner Nebeneffekt war, dass einige Eltern beschlossen haben, selbst mit dem Taekwondo anzufangen.

TA: Warum heißt das Internationalen Kinderturnier in diesem Jahr außerdem Pre-World Children Taekwondo Championships?
Soo-Nam Park: Die erste „echte“ Kinder-WM wird in diesem Jahr stattfinden. Die Kinder, die beim Kinderturnier in Sindelfingen eine Goldmedaille im Kyorugi oder in der Poomsae gewonnen haben, können dort teilnehmen – die Startgebühren und der gesamte Aufenthalt werden von den Ausrichtern der WM übernommen.

TA: Wenn ein Verein sich stärker für Kinder engagieren und deshalb Mitglied in der World CTU werden möchte – wo kann er sich informieren?
Soo-Nam Park: Ab etwa März werden die entsprechenden Infos unter www.worldctu.com zu finden sein.

TA: Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre Pläne.