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Im abschließenden vierten Teil seiner Studie zur Trittkraftmessung stellt Max Schumann die Ergebnisse der begleitenden Videoanalyse vor. In seinem Fazit gibt er außerdem praktische Tipps auf Grundlage seiner Ergebnisse.
Im intratechnischen Vergleich der Ausführungen innerhalb einer Technik liegen keine expliziten Messungen vor. Techniken können aber anhand der Videoanalyse in ihren Ausführungen verglichen und mit den erzielten Ergebnissen in Verbindung gebracht werden. So können sie zur Interpretation beitragen sowie Anhaltspunkte für das Taekwondo-Training liefern.
Richtung und Tempo
Bei der Interpretation der Ergebnisse der begleitenden Videoanalyse möchte ich mich hauptsächlich auf einige Merkmale der Tritte Dollyochagi und zum Teil Momdollyochagi beschränken, da eine genaue Analyse aller Tritte hier zu weit führen würde. Aus diesem Grund soll die Analyse des Dollyochagi hier beispielhaft und stellvertretend für einige mechanische Gesichtspunkte optimaler Technikausführungen stehen. Sinn ist, im intratechnischen Vergleich Anhaltspunkte dafür zu erhalten, mit welcher Ausführung einer Technik, die wirkende Kraft optimiert werden kann. Wie bereits erwähnt, hat die Messung die Arbeit quantifiziert, welche aber von der wirkenden Kraft entscheidend beeinflusst ist.
Für die Kraft als vektorielle Größe ist die Richtung in die sie respektive der Weg auf dem sie wirkt bedeutsam. Dies bedeutet, dass die Kraft, die ein Taekwondo-Sportler erzeugen kann, möglichst maximal in Richtung des Ziels wirken sollte. Bei der Videoanalyse war festzustellen, dass sich dieser Aspekt beim Dollyochagi und Momdollyochagi in der Position des Unterschenkels kurz vor dem Strecken des Beines in der Bewegung auf das Ziel zu widerspiegelt, da das Knie als Scharniergelenk das Ausstrecken nur auf einer ganz bestimmten Linie zulässt. Die Abbildungen 1 bis 4 zeigen genau diese Position des Unterschenkels kurz vor dem „Ausschnappen“. Die rote Linie zeigt somit den ungefähren weiteren Verlauf des Unterschenkels und Fußes sowie den Weg der wirkenden Kraft an. Die Linie ist hinter der Trefferfläche verlängert, um zu veranschaulichen, wie die Kraft auf das Zielobjekt wirkt. Am optimalsten würde die Kraft direkt frontal in das Ziel/den Sandsack hinein wirken, ohne das die Kraft von schräg unten oder oben kommt und somit am Sandsack teilweise senkrecht nach oben oder unten abgeleitet wird und somit messbare Kraft verloren geht. Bei der Messung hat sich herausgestellt: je waagerechter die rote Linie ist bzw. je größer (bis zu einem Wert von 180°) der markierte Winkel zwischen Unterschenkel und idealer Kraftwirklinie mit Drehpunkt am Knie ist – sprich je optimaler die Kraft in zweckmäßige Richtung wirkt – desto besser war das erzielte Ergebnis. In Abbildung 1 führt der Proband zum Beispiel einen Versuch aus, bei dem der Winkel im Vergleich zu seinem Versuch in Abbildung 2 kleiner und der Weg der wirkenden Kraft somit für den Zweck des möglichst kräftigen Tretens suboptimaler ist. Natürlich ist das Ergebnis noch von vielen weiteren Komponenten abhängig und die Kameratechnik ermöglicht nicht die genauesten Angaben, aber die Beispiele veranschaulichen und bestätigen zumindest beispielhaft die Theorie. Ein weiterer Vergleich zweier Versuche unterschiedlicher Probanden kann dies bestätigen. Der Proband in Abbildung 3 erreicht mit einem Winkel von 144° ein Ergebnis von 288 Joule. Der weit leichtere Proband in Abbildung 4 erreicht mit einer besseren Technik, die sich durch einen Winkel von 161° kennzeichnet und somit die Kraft zweckmäßiger wirken lässt, 416 Joule.
Tritt man also so, dass die aufgewandte Kraft nicht unzweckmäßig abgeleitet wird, sondern in das Ziel hineinwirkt, ist es leichter den Hitlevel zu erreichen und Punkte zu erzielen. Diese Erkenntnis lässt sich auf alle anderen Techniken sinngemäß übertragen.
Ein weiterer Aspekt, welcher sich anhand der Videoanalyse exemplarisch beobachten ließ, war die Trittgeschwindigkeit. Wie vorher bereits schon einmal beschrieben, ist diese insofern von Bedeutung, als dass bei hoher Geschwindigkeit des tretenden Fußes die negative Beschleunigung an der zu treffenden Fläche ebenso höher wird (weil die Geschwindigkeit abgebremst werden muss) und dies neben der Masse mechanisch gesehen den entscheidenden Faktor für die wirkende Kraft darstellt. Die Geschwindigkeit ließ sich per Videoanalyse natürlich nicht messen. Man konnte sie aber anhand der Zeit vom Lösen des tretenden Fußes vom Boden bis zum Lösen des Selbigen von der Messweste ableiten, da der Trittweg immer annähernd gleich war. Anhand dessen konnte man feststellen, dass bei kürzeren Trittzeiten (um die 0,3 Sek.) die Ergebnisse höher waren, als bei vergleichsweise längeren Trittzeiten (um die 0,5 Sek.), was bedeutet, dass möglichst schnelle Tritte nicht nur Vorteile bringen, um dem Gegner die Reaktion zu erschweren, sondern auch, um mehr Kraft auf ihn wirken zu lassen. Hier gibt es noch einige muskuläre Komponenten die eine Rolle spielen (Schnellkraft und Kraft-Geschwindigkeits-Relation bei der Muskelkraftgenerierung), welche sich aus dieser Messung jedoch nicht ableiten lassen.
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