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Suwon

Das erste Ziel für jeden Korea-Reisenden ist die Hauptstadt Seoul. Wer nach 12-stündigem Flug und kurzer Fahrt mit dem Flughafenbus den ersten Fuß auf koreanischen Boden setzt, wird hier sofort vom pulsierenden, fremdartigem Leben umfangen. Etwa 10 Millionen Menschen, ein Viertel der Gesamtbevölkerung, leben auf 605 km², das sind 0,6 % der Gesamtfläche Koreas – dementsprechend ist das Gewimmel.

Überall sind Menschen unterwegs, bauen fliegende Händler ihre Stände auf, bieten Garküchen exotische Speisen an. Wenn spät abends die großen Geschäfte schließen, öffnen die Nachtmärkte ihre Pforten – Seoul schläft nie und dem Touristen wird es auch nach Tagen oder Wochen nicht langweilig. Trotzdem beschleicht ihn manchmal das Verlangen, doch auch einmal herauszukommen aus der Metropole.

Doch wie? In anderen Ländern würden Sie sich jetzt vielleicht ein Auto mieten. Aber vom Autofahren ist dem Touristen in Korea dringend abzuraten. Vielspurige Highways mit verwirrender Verkehrsführung und undurchsichtige Verkehrsregeln treiben den Landesfremden in kürzester Zeit zur Verzweiflung. Außerdem herrscht in Downtown Seoul praktisch ständig Stau – allein das Stadtgebiet zu verlassen, dauert Stunden. Eine gute Alternative ist die U-Bahn. Mit dieser kommen Sie nicht nur in der Stadt schnell und bequem voran, sie können auch eine Reihe von attraktiven Ausflugszielen im Umkreis erreichen.

Endstation der Linie 1, der dunkelblauen Linie, ist z.B. Suwon, Hauptstadt der Provinz Kyonggi und ca. 50 km südlich von Seoul gelegen. Vorsicht: die Linie 1 verzweigt sich an der Station Guro. Achten Sie beim Einsteigen darauf, dass Sie auch wirklich in der Suwon-Linie sitzen. Sonst kommen Sie in Incheon an, einer anderen interessanten Destination, über die wir im nächsten Heft berichten werden.

Hauptsehenswürdigkeit Suwons ist die Hwaesong Festung, die mitten im Stadtgebiet gelegen ist. Verschiedene Buslinien fahren von Suwon Station ab und halten am Fuße der Festung. Suwon ist bei Koreanern sehr beliebt – ausländische Toursiten verirren sich trotzdem selten hierher. Für Fremde ist es deshalb einfacher, ein Taxi zur Festung nehmen. Die Strecke ist kurz und die Taxi-Tarife sehr günstig.

Die Festungsanlage erstreckt sich über 5520 Meter und erinnert ein bißchen an die chinesische Mauer im Miniaturformat. Damit es dem Spaziergänger nicht zu langweilig wird, haben die Erbauer der Anlage 41 Tore, Aussichtstürme, Bastionen, Posten und andere Gebäude eingefügt, allesamt sehr ansehnlich, mit Bemalungen, Schnitzereien und kunstvollen Pagodendächern. Im Zuge der Fußball WM im vergangenen Jahr wurde die Festung restauriert und erstrahlt jetzt wieder im alten Glanz.

Die Festung wurde zwischen 1794 und 1796 von König Jeongjo, dem 22. König der Joseon-Dynastie, zum Andenken an seinen Vater, Kronprinz Jangheon, erbaut. Changjo wurde von seinem eigenem Vater, einem senilen Regenten, zu Unrecht bezichtigt, der Urheber einer Verschwörung bei Hofe gewesen zu sein. Zu Strafe wurde er bei lebendigem Leibe in eine Reiskiste eingesperrt, in der er jämmerlich zugrunde ging. Chongjo konnte nach dem Tode seines debilen Großvaters die Unschuld seines Vaters beweisen und errichtete ihm zu Ehren die Hwasong Festung. Sein Plan, Suwon anstelle von Seoul zur Landeshauptstadt zu machen, scheiterte allerdings. Seinerzeit war die Festung eine Meisterleistung der Baukunst, bei der die neuesten Methoden und Erkenntnisse zur Anwendung kamen. 1997 wurde sie zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. Wer einen schönen, ruhigen Spazierweg abseits des Trubels und malerische Plätzchen mit typisch koreanischem Flair sucht, wird in Suwon fündig. Auch wunderbare Fotomotive, mit denen Sie zu Hause Eindruck machen können, gibt es genug.

Wenn Sie etwas Zeit haben, sollten Sie sich das Koreanische Volkskundedorf nicht entgehen lassen. Das Dorf ist so groß und sehenswert, dass Sie ruhig einen Tag dafür einplanen sollten. Zu sehen gibt es Häuser aus der mittleren bis späteren Joseon Dynastie, (ca. 1700 bis 1910) die aus verschiedenen Teilen des Landes hierher gebracht wurden, außerdem eine Schule, verschiedene Werkstätten und vieles mehr. Auf dem Markplatz kann man traditonelle koreanische Speisen probieren und originelle Mitbringsel kaufen. Wenn man Glück hat, kommt man zurecht zu einer Vorstellung auf dem Dorfplatz, bei der Akrobaten und Musiker auftreten. Sogar ein traditioneller Hochzeitszug kommt ab und zu vorbei. Man erfährt beim Besuch viel über die koreanischen Traditionen und gesellschaftlichen Hintergründe – und unterhaltsam ist ein Tag im Volkskundedorf noch dazu.

Von Suwon Station fahren Shuttlebusse zum „Korean Folk Village“. Das Volkskundedorf ist täglich von 9 – 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 8500 Won (7 Euro), für Studenten 5500 (4,50 Euro) und für Kinder 4000 Won (3,30 Euro).

 
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