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Die Bedeutung der Präsentation

von Soo-Nam Park

Eines meiner erklärten Ziele als Vizepräsident der WTF war von Anfang an, die internationale Poomsae- Bewegung zu fördern und dafür zu sorgen, dass zum ersten Mal eine Poomsae-Weltmeisterschaft stattfindet. Ich freue mich, dass ich dazu beitragen konnte, die Formenlauf-Bewegung voran zu bringen und dass wir bis heute bereits drei erfolgreiche Poomsae-Weltmeisterschaften hatten. Die ersten Schritte waren nicht einfach. So gab es zum Beispiel große Unterschiede zwischen der WTF-Poomsae und der Kukkiwon-Poomsae. Bevor die ersten Weltmeisterschaften stattfinden konnten,mussten wir ein einheitliches Regelwerk erstellen, das Sportlern, Trainern und Kampfrichtern als Leitfaden dient. Problematisch war auch das Bewertungssystem. Die Frage war: Wie können korrekte und kunstvolle Ausführung in einer einzelnen Bewertung vereint werden? Wir entschieden uns für ein System, das zu gleichen Teilen auf korrekter Ausführung und Präsentation basierte.

 

Damals waren viele Großmeister skeptisch. Aber ich bin immer noch überzeugt, dass zu diesem Zeitpunkt und für die internationale
Anwendung ein System, das zu 50 Prozent auf Genauigkeit und zu 50 Prozent auf Ausdruck beruht, optimal war. Genauigkeit ist ein einfaches Konzept, während Präsentation komplex ist. Zu Beginn der Poomsae-Bewegung wollten wir der einfacheren Größe so viel Raum wie möglich geben.
Nicht nur Formenlauf-Experten, sondern auch Sportler, Trainer und Kampfrichter mit unterschiedlichem
Vorwissen und unterschiedlichem Hintergrund sollten mit dem Regelwerk arbeiten können, das wir damals erstellten. Auch die Genauigkeit war nicht so einfach, wie es heute aussieht: Wir mussten festlegen, wie groß der Punktabzug für einen bestimmten Fehler sein sollte. Heute ist das alles ganz einleuchtend, aber damals standen wir vor schwierigen Entscheidungen. Was heute leicht vergessen wird ist auch, dass es vor der ersten Poomsae-Weltmeisterschaft noch kein elektronisches Bewertungssystem für den Formenlauf gab. Der Formenlauf war noch auf dem Punktrichterzettel- Niveau, das der Vollkontakt-Wettkampf bereits seit Jahrzehnten hinter sich gelassen hatte. Das bedeutete, dass wir ein völlig neues elektronisches Wertungssystem entwickeln mussten, mit
dem die Kampfrichter dann arbeiteten. Trotzdem ist jetzt vielleicht die Zeit gekommen, Genauigkeit geringer und Präsentation höher zu bewerten. Bedenken sollten wir dabei aber, dass sogar auf dem relativ einfachen Gebiet der Genauigkeit noch Fragen offen sind. So gibt es im Taeguk-5-jang einen Yopchagi kombiniert mit einem Fauststoß. Hier sollte der Yopchagi auf mittlere Höhe ausgeführt
werden. Zielt ein Sportler mit dem Yopchagi zu hoch, so muss er den Fauststoß noch höher
anbringen – was vollkommen sinnlos wäre. Das bedeutet nicht, dass der Yopchagi immer auf einem
mittleren Level gekickt werden muss, aber bei dieser Form und in dieser Kombination ist es der Fall, auch wenn unser Regelwerk anderer Meinung ist.

 
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Unklar ist auch das Problem der Blickrichtung. Im Taeguk-7-jang ist die Blickrichtung, so wie sie unser Regelwerk verlangt, nicht logisch. Unwillkürlich blicken die meisten Formläufer in die Richtung, in die der Angriff ausgeführt wird, was die naheliegende Lösung ist. Wie sollen sich die Kampfrichter hier entscheiden? Ein anderes Beispiel ist der einfache Fauststoß, wie er im Taeguk-8-jang vorkommt. Unsere Regeln besagen, dass ein Formenläufer diesen Fauststoß neben seinem Gürtel ansetzen soll, um genug Schwung für einen kraftvollen Angriff zu haben. Aber wie sieht es bei einem Meister aus, der so einen Anlauf gar nicht braucht, sondern einen wesentlich eindrucksvolleren Fauststoß scheinbar aus dem Nichts produzieren kann? Die offenen Fragen in Sachen Genauigkeit müssen abgeklärt werden, bevor wir uns auf die Präsentation konzentrieren, die mit komplexen Ideen, wie Harmonie, Ausdruck und Haltung arbeitet. Die Bewertung der Präsentation muss gründlich und auf eine Art und Weise entwickelt werden, die Sportler, Trainer und Kampfrichter aber vor allem auch die Zuschauer zu schätzen wissen. Dass diese sie schätzen werden, steht für mich außer Frage. Nach gewisser Zeit wird Genauigkeit Standard sein. Ehrgeizige Formenläufer in aller Welt sind früher oder später in der Lage, den Ansprüchen der Genauigkeit gerecht zu werden. Genauigkeit ist ein geschlossenes System – wenn ein Höchstmaß an Akkuratesse erreicht ist, sind keine Steigerungen mehr möglich. Präsentation dagegen eröffnet zahllose Möglichkeiten: Jeder Sportler kann die Präsentation mit seiner Persönlichkeit und seiner Kunstfertigkeit erfüllen. Wenn wir wollen, dass die Poomsae für die Zuschauer ansprechend ist, brauchen wir die Präsentation. Denn das Publikum möchte nicht die immer gleiche Demonstration vonAkkuratesse sehen, sondern Individualität, Ausdruck und Variation. Deshalb sollten wir der Präsentation in Zukunft größere Bedeutung in der Bewertung unserer Poomsae einräumen.


 
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