english
Taekwondo Aktuell Startseite
 
 

Neue Impulse für den Formenlauf

Von TA-Herausgeber Dr.h.c. Soo-Nam Park

In der vorangegangenen Ausgabe habe ich die Entwicklung der internationalen Poomsae-Bewegung und des Bewertungssystems für den Formenlauf beschrieben. Um die Poomsae für Zuschauer attraktiver zu machen, sollten wir der Präsentation mehr Gewicht bei der Bewertung einräumen. Aber dies ist nicht die einzige Möglichkeit, um das Interesse des Publikums zu erregen. Poomsae auf Leistungssport-Niveau ist sehr anspruchsvoll für Sportler, Trainer und Punktrichter. Für Fans und Kenner ist es unterhaltsam, dieselbe Poomsae in immer wieder neuen Ausführungen durch verschiedene Sportler zu sehen. Aber für den unerfahrenen Zuschauer kann das ermüdend sein, denn ohne Vorkenntnisse kann er die Feinheiten des Formenlaufs nicht schätzen. Aber wenn wir der Poomsae zu noch mehr Erfolg verhelfen sollen, müssen wir alle Zuschauer ansprechen – Insider und Neulinge gleichermaßen. Was wir brauchen, sind spezielle Formen, die nur auf Wettbewerbs-Niveau ausgeführt werden.

 
171C8841.jpg

Ein Anfang in dieser Hinsicht wurde bereits mit den neuen Poomsae Hanryu und Bigak gemacht, die für die Finales von wichtigen Turnieren entwickelt wurden. Aber langfristig werden zwei Turnier-Poomsae für Finales nicht ausreichen. Wir haben Sportler von der Jugend bis zum reiferen Meister, wir haben Damen und Herren – deshalb sollten wir bei den Turnier-Poomsae stärker differenzieren, um allen die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten voll zur Geltung zu bringen. Bei älteren Sportlern zum Beispiel, sollte sich die Turnier-Poomsae nicht auf schwierige und physisch anspruchsvolle Techniken konzentrieren, sondern auf Möglichkeiten, die besondere Kraft und Energie zu präsentieren, die sich diese Sportlern in Jahren des Trainings erworben haben. Auch für das Publikum ist eine größere Bandbreite von Formen vorteilhaft.
In diese neuartigen Turnier-Poomsae könnte eine freie Sequenz von drei oder vier Bewegungen Länge integriert werden, in der jeder Sportler seine besten Techniken präsentieren und seine eigenen Ideen verwirklichen kann. Ich persönlich bin kein Fürsprecher der Kreativ-Poomsae, da es fast unmöglich wäre, den Punktrichtern einen Leitfaden für deren Beurteilung an die Hand zu geben. Aber eine relative kurze freie Sequenz könnte von erfahrenen Punktrichtern durchaus beurteilt werden. Auch Buchtests könnten die Attraktivität der Turnier-Poomsae steigern. Kaum eine Taekwondo-Demo, die ohne Bruchtests auskommt – warum sollten wir dieses charakteristische und spektakuläre Element nicht nutzen, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Poomsae zu lenken?

 
Bruchtest.jpg

Bis zu den Halbfinales eines Poomsae-Wettbewerbs sind traditionelle, weiße Doboks gut geeignet. Doch für die Finales wäre ein spezielles Outfit nach Wahl des Sportlers passender. Sogar Make up könnte hier zugelassen werden. Der Kontrast zwischen den normalen Doboks und spezieller, individueller Kleidung würde die Spannung in den Finales steigern und zeigen, dass die Finales eines Wettbewerbs etwas ganzBbesonderes sind. Es ist eine Ehre für jeden Sportler, im Finale zu stehen und er hat das gute Recht, das mit einer speziellen Poomsae und spezieller Kleidung zum Ausdruck zu bringen.
Unsere Poomsae-Wettbewerbe haben in kurzer Zeit eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen. Aber das Potenzial ist größer. Unsere Tradition ist wichtig. Aber wenn wir Poomsae als Zuschauer-Sport etablieren möchten, brauchen wir auch Innovation und Variationsmöglichkeiten.

 
171C9283.jpg