Das 3-Punkt-System in der Praxis
Von TA-Herausgeber Dr.h.c. Soo-Nam Park |
In unserer April-Ausgabe stellte ich Ihnen ein neues Wettkampfsystem vor: Das 3-Punktsystem. Damals war dieses System noch niemals praktisch erprobt worden. Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, dass Anfang Juni Studenten der koreanischen Youngsan-Universität dieses System getestet haben. An der Youngsan-Universität gibt es zwei Gruppen von Studenten. Die eine besteht aus Studenten, die sich ganz auf Taekwondo konzentrieren und regelmäßig bei Turnieren starten. Die andere Gruppe setzt sich aus Studenten zusammen, die ganz allgemein Sport studieren und Taekwondo als einen Bereich ihres Studiums gewählt haben. Einmal im Jahr kämpft diese zweite Gruppe bei einem speziellen Turnier, das als Praktikum zählt. Dieses Jahr wurde dieses Turnier als Test-Event für das 3-Punktsystem genutzt. Die erste Gruppe – die Taekwondo-Profis – stellte die Kampfrichter und Trainer. Die Teilnehmer erhielten Praktikums-Noten entsprechend ihrer Leistung beim Turnier – so konnten die Organisatoren sicher sein, dass alle Sportler ihr Bestes gaben, um beim Turnier gut abzuschneiden.
Das System war für alle Teilnehmer neu. Doch nachdem sie eine kurze Einleitung erhalten hatten, waren die Sportler, Trainer und Kampfrichter bereit für das Test-Event. Alle Beteiligen konnten sich schnell auf das System einstellen und fühlten sich sicher dabei. Dies spricht für das relativ einfache System, das dennoch viele Möglichkeiten für taktische und technische Feinheiten bietet.
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80 Kämpfe fanden statt. Sogar mit dem 3-Punktsystem würden wir für diese 80 Kämpfe eine maximale Kampfzeit von 5 Stunden 20 Minuten benötigen: 4 Stunden für das Kämpfen, 80 Minuten für die Pausen. Doch tatsächliche konnten alle 80 Kämpfe in genau 1 Stunde 40 Minuten 18 Sekunden beendet werden: 1 Stunde 24 Minuten 48 Sekunden entfielen dabei auf das Kämpfen, 15 Minuten 30 Sekunden auf die Pausen. Das bedeutet, dass wir unter realistischen Bedingungen 3 Stunden 40 Minuten gegenüber der maximalen Kampfzeit nach dem 3-Punktsystem sparen konnten. Im Vergleich zu unseren offiziellen Wettkampfregeln mit einer durchschnittlichen Kampfzeit von 6 Minuten plus 2 Minuten Pause pro Kampf konnten wir sogar 9 Stunden sparen.
Beim Test-Event dauerte ein durchschnittlicher Kampf 1 Minute 25 Sekunden. 68 Kämpfe endeten vorzeitig, nachdem ein Kämpfer 3 Punkte erreicht hatte. Zwei Kämpfe endeten vorzeitig mit einer Aufgabe. Nur drei Kämpfe dauerten 3 Minuten, wobei 2 davon unentschieden ausgingen.
Das 3-Punktsystem hat also auf jeden Fall einen Vorzug: Kürze. Aber das ist nicht alles. Die Zuschauer beim Test-Event waren begeistert. Bei einer Befragung gaben Sie an, dass die Kämpfe aktionsgeladen waren und spannend vom Anfang bis zum Ende. Es kam nie der Moment, an dem sich die Zuschauer einfach abschalteten, weil das Ergebnis des Kampfes sich bereits klar abzeichnet und sie nur noch auf das Ende warteten. Nach einer kurzen Erklärung leuchtete das 3-Punktsystem den Zuschauern ein. Sie fanden das System transparent und logisch. Da die Kampfzeit kurz war, fand das Test-Event auf nur einer Kampfmatte statt. Dies wurde von den Zuschauern ebenfalls sehr begrüßt, da sie sich auf eine Fläche konzentrieren konnten. Die Zuschauer-Plätze waren dicht um die Matte herum angeordnet, so dass das Publikum die Kämpfe hautnah verfolgen konnte, was ebenfalls viel zur Spannung des Turniers beitrug.
Bei den Wettkämpfern war die Meinung geteilt zwischen Gewinnern und Verlierern. Während die Gewinner mit dem System sehr zufrieden waren, fanden die Verlierer die Kämpfe zu kurz. Aber statt frustriert zu sein, erklärten viele Kämpfer, dass sie ihr Glück beim 3-Punkte-Kampf gerne noch einmal versuchen wollten. Mit dem normalen Kampf-System mit drei Runden, reagierten die Teilnehmer an diesem Studenten-Turnier oft extrem enttäuscht und sagten oft – vor allem wenn sie deutlich verloren hatten – dass sie nie mehr kämpfen wollten. Natürlich müssen sich die Wettkämpfer an ein völlig neues System, wie das 3-Punktsystem erst gewöhnen. Aber, wie ich früher bereits geschrieben habe, lehrt ein schnelles System wie dieses eine Wahrheit, die für den Sport ebenso gilt wie für unser tägliches Leben: Es gibt Situationen, in denen bekommen wir keine zweite Chance. Jede Bewegung, die wir machen, kann zu Erfolg oder Misserfolg führen – die Konsequenzen daraus müssen wir tragen. Aber natürlich können wir aus unseren Fehlern lernen und es beim nächsten Mal besser machen.
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Die Kampfrichter fanden das System sehr anspruchsvoll, denn dabei ist jeder einzelne Punkte wichtig. Drei Punkte allein genügen, um den Kampf zu gewinnen – deshalb kann es sich kein Kämpfer leisten, einen Punkt zu verlieren, weil die Aufmerksamkeit der Kampfrichter nachlässt. Die Verantwortung der Kampfrichter ist sogar noch größer als bei unseren offiziellen Wettkampfregeln, bei denen wir eine längere Kampfzeit haben und keine Begrenzung der Punkte.
Die Coaches freute es besonders, dass es beim Test Event fast keine Verletzungen gab. Ungewohnt war für Sie das Time-out: Oft war der Kampf vorbei, noch bevor sie den richtigen Moment für eine Pause gefunden hatten. Wie die Kampfrichter fanden sie das System sehr anspruchsvoll aber gleichzeitig intensiv und spannend.
Das 3-Punktsystem ist vielleicht nicht perfekt, aber es erwies sich als sehr vielversprechend. Unser gegenwärtiges System mit drei Runden war eine Ideallösung, als es eingeführt wurde: Zu einer Zeit, als Taekwondo um seine Aufnahme in die internationalen Welt des Sports kämpfte. Aber nun, da Taekwondo ein anerkannter Sport ist, sollten wir einen offenen Geist für neue Ideen haben und zu unserem eigenen, authentischen Stil finden. Was Taekwondo braucht, ist ein System, das für die Bedürfnisse unserer Wettkämpfer und vor allem für die Zuschauer und die Medien ideal ist.
Zur Erinnerung: Das 3-Punktsystem in Kürze
- Die maximale Länge eines Kampfes ist 3 Minuten.
- Wenn ein Kontrahent drei Punkte erreicht, ist er Sieger.
- Wenn der Punktestand nach 3 Minuten 1:1 und 2:2 unentschieden ist, ist der Sportler, der den ersten Punkt erzielt hat, der Sieger.
- Beide Kämpfer können ein Time-out von 30 Sekunden Länge nehmen, um ihren Kämpfern Anweisungen zu erteilen.
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