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Experten gesucht

Von Dr. h.c. Soo-Nam Park

Seit den Olympischen Spielen in Peking ist bereits ein Jahr vergangen. Noch zwei Jahre und die Qualifikationen für 2012 finden statt und dann, ein Jahr später die Olympischen Spiele in London. Die meisten Nationen haben ihre Olympische Mission bereits mit neuem Mut begonnen. Viele haben Veränderungen vorgenommen: Sie haben neue Bundestrainer verpflichtet, neue Trainingsprogramme sowie Finanzpläne erstellt und natürlich sind auch junge Sportler auf der Bildfläche aufgetaucht, die ihren Platz im olympischen Team suchen. Aber etwas scheint sich nie zu ändern: Teams und Trainer werden nach Geschlechtern getrennt, mit eigenen Trainern für die Jugend. Diese Unterteilung scheint selbstverständlich und hat Teams in aller Welt viele Jahre lang gute Dienste geleistet. Aber manchmal sind die Ergebnisse besser, wenn Bereiche überschritten werden. Sportler unterscheiden sich nicht nur nach Geschlecht, Alter und Gewichtsklasse. Es gibt zwei andere klar definierbare Gruppen von Sportlern, die nicht von den traditionellen Unterscheidungen abhängen: defensive und offensive Sportler.

 
Kampfbild 1

Schon 1989, als ich meine Bundestrainertätigkeit beendete, hatte ich die Idee, diese beiden Charaktereigenschaften als Grundlage für eine neue Einteilung der Kaderathleten zu nutzen. Es würde dann Trainer geben, die auf defensives und offensives Training spezialisiert sind. Wenn eine Nation genug Geld hat, könnte es auch Experten für offensive (oder defensive) Trainingstechniken geben und Spezialisten, die sich auf offensive (oder defensive) Taktik und Strategie konzentrieren.
Die Kampftechnik eines Sportlers ist von Natur aus entweder defensiv oder offensiv. Ein paar wenige sehr gute Sportler können beide Verhaltensweisen annehmen, abhängig von der Situation und von ihrem Gegner. Aber Sportler die für beides ein natürliches Talent haben sind äußerst selten. In den meisten Fällen ist ein offensiver Sportler niemals wirklich gut wenn es um Defensivtechniken geht und umgekehrt. Gleichzeitig wird der Stil vieler Trainer davon bestimmt, dass sie von Natur aus offensiv oder defensiv sind. Ein Sportler fühlt instinktiv, ob die Trainingsmethode und das Coaching eines Trainers gut zu ihm passen. Häufig ist der Grund der, dass Trainer und Sportler zur selben Charakter-Gruppe gehören. Manchmal hat ein Sportler, der, solange er in seinem Verein trainiert hat, sehr gut war, plötzlich keinen Erfolg mehr, wenn er ins Nationalteam wechselt. Dafür können verschiedene psychologische Gründe verantwortlich sein. Aber ein Grund, den wir nicht unterschätzen sollten, ist der Wechsel von einem defensiven Heimtrainer zu einem offensiven Bundestrainer (oder umgekehrt).

 
Kampfbild 2

Ein defensiver Sportler, der gezwungen ist, sich auf offensive Techniken zu konzentrieren, verliert eine Menge Zeit. Er hat kaum eine Chance das zu erlernen, was ihm gelehrt wird und er verpasst die Gelegenheit, das zu lernen, wofür er wirklich talentiert ist. Es wäre besser, wenn sich dieser Sportler auf sein eigentliches Talent konzentrieren würde und dieses zur Perfektion bringen würde. Ein guter Trainer nützt die Anlagen und die Mentalität seines Sportlers. Wenn defensive und offensive Sportler zusammen trainieren, ist das nicht ideal, weder für Trainer noch die Athleten. Die logische Schlussfolgerung ist, Sportler nicht mehr länger in Damen- und Herrengruppen zu teilen, sondern in offensive und defensive Gruppen. Gleichzeitig sollte der verantwortliche Trainer ein Spezialist für diese Gruppe sein. Es ist richtig, dass wir im Taekwondo Experten brauchen – die wichtige Frage ist, für welchen Fachbereich. Es ist noch nicht zu spät, im Vorfeld von London 2012 Änderungen im System vorzunehmen. Ich wünsche jedem Nationalteam viel Glück und Erfolg und würde mich freuen, wenn meine Idee dabei hilfreich wäre.