Tipps für Vereine und Sportschulen
Elternarbeit clever gestalten

Wer eine Sportschule leitet, weiß: Kinder sind die Zukunft des Dojos – aber die Eltern sind oft die eigentlichen Entscheider. Sie bringen ihre Kinder zum Training, sie bezahlen die Beiträge, und sie beeinflussen, ob das Training als sinnvoll, wertvoll und „dranbleibenswert“ empfunden wird. Deshalb ist eine kluge Elternarbeit für den langfristigen Erfolg einer Kampfsportschule unverzichtbar.
Transparenz schafft Vertrauen
Viele Eltern sind verunsichert, wenn ihr Kind mit Kampfsport beginnt. Sie stellen sich Fragen wie: „Wird mein Kind dort überfordert?“ – „Wie sieht es mit Verletzungen aus?“ – „Was bringt Taekwondo überhaupt im Alltag?“ Wer diese Fragen proaktiv beantwortet, gewinnt Vertrauen.
Transparenz bedeutet nicht, jeden Trainingsplan im Detail offenzulegen, sondern Eltern spüren zu lassen: Hier passiert nichts im Verborgenen. Dazu gehören klare Informationen beim Einstieg (Flyer, Elternbrief, Infogespräch), regelmäßige Updates (z. B. Newsletter oder WhatsApp-Gruppe) und offene Türen bei wichtigen Momenten wie Prüfungen oder Vorführungen.
Eine gute Praxis ist, feste Informationspunkte ins Jahr einzubauen. Zum Beispiel:
- Eltern-Infoabend ein- bis zweimal pro Jahr
- Kurzfeedback nach der Gürtelprüfung
- Offene Trainingseinheit, bei der Eltern zuschauen dürfen
So werden Eltern nicht nur informiert, sondern aktiv Teil des Entwicklungsprozesses ihres Kindes.
Feedback: der Schlüssel zur Beziehung
Eltern wollen wissen, ob sich ihr Kind entwickelt. Ein Schulterklopfen nach dem Training („Ihr Sohn hat heute richtig Gas gegeben!“) kann mehr Wirkung haben als jede Hochglanzbroschüre. Persönliches Feedback ist Gold wert – und kostet wenig Zeit, wenn es geschickt in den Alltag eingebaut wird.
Ein einfaches System: Die Trainer nehmen sich pro Training drei Kinder vor, die sie beim Abholen kurz kommentieren. Nach einer Woche hat jedes Kind ein positives Feedback bekommen, ohne dass der Trainer überfordert ist.
Auch Feedback-Gespräche bei Gürtelprüfungen sind wertvoll und zeigen Eltern: Hier wird mein Kind ernst genommen.
Darüber hinaus lohnt es sich, Feedback in beide Richtungen zu fördern. Ein offenes Ohr signalisiert: Trainer und Eltern ziehen am gleichen Strang.
Einbindung in die Dojo-Kultur
Kinder bleiben nur dann lange im Training, wenn sie Spaß haben – und Eltern müssen diesen Spaß nachvollziehen können. Deshalb ist es klug, die Dojo-Kultur für Familien sichtbar zu machen.
Das kann praktisch aussehen wie:
- Familien-Events: Sommerfest, gemeinsames Grillen, Eltern-Kind-Training
- Mitmach-Aktionen: Einmal im Jahr dürfen Eltern in Sportklamotten aufs Feld und erleben, wie anstrengend das Training wirklich ist
- Kommunikationsräume: Eine kleine Sitzecke oder Caféecke im Dojo, in der Eltern ins Gespräch kommen können
So wird aus einer reinen „Dienstleistung“ (Kind abgeben, Kind abholen) eine Gemeinschaft. Und Gemeinschaft bindet.
Empfehlungs-Marketing: Eltern als Botschafter
Der vielleicht stärkste Effekt guter Elternarbeit zeigt sich im Empfehlungs-Marketing. Zufriedene Eltern sind die besten Werbeträger – authentischer und wirkungsvoller als jede Anzeige.
Damit das funktioniert, braucht es zwei Zutaten:
- Ein überzeugendes Erlebnis – Eltern müssen sehen, dass ihr Kind wächst, Selbstvertrauen gewinnt und Spaß hat.
- Eine Gelegenheit zum Erzählen – Eltern brauchen Anlässe, um anderen von der Sportschule zu berichten.
Das kann durch Kleinigkeiten angestoßen werden:
- Mitgliedswerbeaktionen: „Bring einen Freund“-Aktionen mit kleinen Prämien für Kinder und Eltern.
- Fotomomente: Wenn Eltern ein tolles Bild vom Training bekommen, posten sie es oft von selbst. Mit Einverständniserklärung können auch die Schulen selbst Bilder in Social Media teilen.
- Events als Multiplikator: Vorführungen in Schulen, Kindergeburtstage im Dojo oder ein „Familien-Infotag“ laden automatisch dazu ein, Freunde mitzubringen.
Wichtig ist, dass Empfehlungen nicht forciert wirken. Eltern erzählen gern von positiven Erlebnissen – man muss ihnen nur die Gelegenheit geben.
Der Balanceakt: Nähe und Professionalität
Eine häufige Falle in der Elternarbeit ist, zu sehr auf „Kumpel“ zu machen. Nähe und Wertschätzung sind wichtig, aber die Rolle des Trainers bleibt professionell. Das bedeutet: klare Regeln, klare Grenzen, konsequente Haltung.
Eine gelungene Elternarbeit ist deshalb kein „Extra-Service“, sondern Teil der Dojo-Philosophie. Sie zeigt: Wir kümmern uns nicht nur um Technik und Sport, sondern um Persönlichkeitsentwicklung, Gemeinschaft und Sicherheit.
Fazit
Elternarbeit ist kein notwendiges Übel, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor für Sportschulen. Transparente Kommunikation schafft Vertrauen, gezieltes Feedback stärkt die Beziehung, und Einbindung in die Dojo-Kultur macht aus Eltern Unterstützer. Wer diesen Weg geht, profitiert doppelt: Kinder bleiben motiviert, und zufriedene Eltern tragen die Botschaft nach außen – das beste Empfehlungs-Marketing, das es gibt.
Über den Autor: Marc Sigle, 7. Dan Kenpo-Karate, 3. Dan Taekwon-Do, ist seit 1989 Kampfsport-Journalist und betreibt seit 2003 eine Schule für Kampfkunst und Selbstverteidigung in Esslingen am Neckar (www.Bushido-Esslingen.de).