Euro-Quali für Tokio

Die Qualifikation für die olympischen Spiele ist im Taekwondo mindestens so anspruchsvoll, wie die olympischen Wettbewerbe selbst. Denn es stehen nur 128 Startplätze zur Verfügung, die an die besten Sportler weltweit gehen sollen. Gleichzeitig sollen aber auch möglichst viele Nationen die Chance erhalten, einen Athleten zu entsenden. Deshalb gibt es ein aufwändiges Qualifikationssystem, bei dem sich 60 Sportler über das Olympische Ranking qualifizieren, 8 über die Grand Slam Serie und weitere 72 über kontinentale Qualifikationsturniere. Dazu kommen 4 Quotenplätze für die Gastgebernation und 4 Wildcards.

Kein weiterer Startplatz für Deutschland

Am 8. und 9. Mai fand das Olympiaqualifikationsturnier für Europa in der bulgarischen Hauptstadt Sofia statt. Jede europäischen Nation konnte maximal zwei Damen und zwei Herren nach Sofia schicken, abzüglich der bereits über die Rangliste gesicherten Plätze. Da sich für Deutschland Alexander Bachmann im Schwergewicht schon über die Rangliste qualifiziert hatte, traten für Deutschland drei Sportler an:

Ela Aydin (bis 49 kg), Lorena Brandl (über 67 kg) und Tahir Gülec (bis 80 kg). Alle drei schieden im Halbfinale aus. Da sich in Sofia nur die Finalisten qualifizierten bedeutet das, dass Deutschland keinen weiteren Starter in Tokio stellen wird.

Ela Aydin ist mit 22 Jahren zwar eine der jüngeren im deutschen Kader. Dennoch musste  sie sich der 19-jährigen Newcomerin Abishag Semberg aus Israel mit 2:24 Punkten beugen.
Lorena Brandl startete nach einem Freilos direkt im Halbfinale. Sie unterlag der Französin Althea Laurin deutlich mit 1:15 Punkten. Den Kampf um die Bronzemedaille gegen die Österreicherin Marlene Jahl konnte Lorena 7:0 für sich entscheiden.
Bei den Herren bis 80 kg musste der Weltmeister von 2013 dem Weltmeister von 2019 weichen: Der 28-jährige Tahir Gülec unterlag im Halbfinale – dem entscheidenden Kampf für die Qualifikation – dem 21-jährigen Simone Alessio (Italien) mit 2 zu 21 Punkten.
Das deutsche Team präsentierte sich in Sofia vom internationalen Feld abgehängt: Alle drei Sportler unterlagen deutlich. Dazu kommt die Tatsache, dass in Sofia die europäische Crème de la Crème nicht am Start war: Bei den Damen bis 49 kg hatten sich die drei besten Europäerinnen bereits über die Rangliste qualifiziert, bei den Damen + 67 kg und den Herren – 80 kg hatten jeweils vier Europäer ihren Startplatz bereits sicher. Von der außer-europäischen Konkurrenz ganz zu schweigen, die in Sofia naturgemäß nicht vertreten war, mit der sich die deutschen Athleten aber bei G-Class-Turnieren, Grands Prix und bei der Weltmeisterschaft im Herbst 2021 messen müssen.

Das Ausscheiden der deutschen Sportler unterstreicht noch einmal die Notwendigkeit gravierender Veränderungen im Taekwondo-Leistungssport – auf das Team um Vizepräsident Leistungssport Jannis Dakos kommt noch viel Arbeit zu.

Qualifikation Paralympics

Taekwondo ist Tokio erstmals Paralympische Disziplin. 72 Sportler werden dort um paralympische Medaillen kämpfen. 30 Startplätze werden über Qualifikationsturniere vergeben – 6 pro Kontinent. Bei der Euro-Quali am 9. Mai in Sofia/Bulgarien sicherten sich drei Aserbaidschaner und zwei Briten das Ticket für Tokio. Einziger deutscher Starter war Hasim Celik, der nach einem Freilos im Halbfinale gegen den Ungarn Zoltan Kiss ausschied. Damit ist Deutschland bei der Paralympics-Premiere des Taekwondo nicht vertreten.