Taekwondo Defense Season 9
Technik, Dynamik und ein starkes Gemeinschaftsgefühl

Vor noch wenigen Jahren hätte kaum jemand vorhergesagt, dass Taekwondo Defense (TKDD) zu einem festen Bestandteil der europäischen Taekwondolandschaft werden würde. Was 2022 als mutiges Pilotprojekt begann, entwickelte sich zu einem eigenständigen System, das klassische Kampfsportpraxis um moderne Selbstverteidigungsprinzipien erweitert.

Heute steht fest: TKDD hat nicht nur Fuß gefasst – es wächst, vernetzt und prägt zunehmend das Selbstverständnis vieler Schulen und Vereine. Mit dem neunten Seminar, das vom 25. Oktober bis 2. November 2025 in Sindelfingen stattfand, setzte sich diese Entwicklung konsequent fort. Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Finnland, Rumänien, Polen, Griechenland und der Schweiz reisten an, um TKDD zu erleben – sei es als Einstieg ins System, als Refresher oder im Rahmen des siebentägigen Dan-Lehrgangs. Das Angebot reichte vom Wochenend-Workshop für Neugierige bis hin zum kompakten Intensivtraining.

Den Rahmen prägten einmal mehr Präsident und Systembegründer Eunseob Kim mit technischer Präzision, Tempo und unerschöpflicher Variantenvielfalt. Unterstützt wurde er von Chief Instructor Jiseok Lee, dessen ruhige Geduld und detailorientierte Anleitung sowohl Einsteigern als auch Fortgeschrittenen half, Bewegungsideen tief zu verinnerlichen. Gemeinsam formten sie ein Seminar, das nicht nur Techniken vermittelte, sondern ein Gefühl dafür, wie TKDD gedacht und gelebt wird.

TKDD-Day: Begegnung außerhalb der Halle

Wie bereits in der Sommersaison bewährt, griff Season 9 auf ein Element zurück, das sich als bedeutender Bestandteil des Konzepts etabliert hat: den TKDD-Day am Dienstag. Er findet traditionell an dem Tag statt, an dem alle Kurse überlappen, und bietet die Gelegenheit, einander jenseits der Trainingsmatten zu begegnen. Das Format wurde erneut begeistert angenommen – fast alle nutzten die Möglichkeit, die Meister außerhalb der Halle zu erleben, neue Kontakte zu knüpfen und alte Bekanntschaften zu vertiefen. Der TKDD-Day stellte damit einmal mehr unter Beweis, wie wichtig das Gemeinschaftserlebnis im TKDD ist.

Hosin Poomsae: spannende Ergänzung zwischen Tradition und Praxis

Auch der Intensiv-Workshop „Hosin Poomsae“ war wie in Season 8 wieder Teil des Programms. Die Kombination aus Formenlauf und realistischen Anwendungen wurde erneut als besonders inspirierend wahrgenommen. Für viele Taekwondo-Sportlerinnen und -Sportler schlägt dieses Format eine Brücke zwischen traditioneller Poomsae-Struktur und praxisorientierter Verteidigung – eine spannende Ergänzung, die zeigt, wie sich klassische Inhalte sinnvoll weiterentwickeln lassen. Auch in Season 9 sorgte der Workshop für reges Interesse und vielfältige Rückmeldungen.

Lernintensiv und praxisnah

Season 9 zeigte einmal mehr, wie eng intensives Techniktraining und persönlicher Lernfortschritt miteinander verbunden sind. Die Seminartage waren gefüllt mit Anwendungen, Prinzipienarbeit und vielen Wiederholungen – ein Zusammenspiel, das für viele Teilnehmende zu nachhaltigen Aha-Momenten führte.

Der finnische Teilnehmer Niilo Korpioksa beschreibt es so: „Alles war beeindruckend – jeder Moment. Das Wichtigste, das ich mitnehme, ist die Bedeutung der Grundlagen.“ Als Herausforderung nennt er die Dauer der Trainingseinheiten: „Die langen Tage mit so viel Training war ich nicht gewohnt.“ Besonders prägend ist für ihn die Art des Denkens im System:

„Im TKDD warte ich nicht ab. Ich warte nicht darauf, dass der Gegner etwas tut.“ Die Techniken seien real anwendbar, „weil sie einfach sind, aber so oft trainiert werden müssen, dass sie natürlich abrufbar sind.“

Auch Verna Hyytiäinen erlebte die Intensität deutlich, jedoch mit positivem Ergebnis:

„Die langen Tage waren anstrengend. Ich bin aber froh, dass wir so viel zusätzliche Übung hatten – auch wenn es manchmal schwierig war, zwischendurch etwas zu essen oder zu trinken zu bekommen.“ Für sie zeigt TKDD eine klare Ergänzung zum klassischen Stil: „Klassisches Taekwondo ist ein Sport. TKDD ist Selbstverteidigung – und funktioniert in echten Situationen.“

In ihrem Verein sei TKDD bereits fest integriert: „Mein Mann ist dort der Cheftrainer. Ich finde, es ist eine sehr gute Ergänzung.“

Juliane Bröcking hebt vor allem die technischen Inhalte des Seminars hervor:
„Die Stocktechniken und Messertechniken haben mir am meisten Spaß gemacht.“ Für sie vereint TKDD die wirksamsten Elemente vieler Kampf- und Verteidigungssysteme: „Die Techniken sind anwendungsorientiert, effektiv, direkt und zeitgemäß. Sie vereinen die wirksamsten Techniken verschiedener Kampfsportarten.“

Als besonderen Moment nennt sie den Austausch unter den Teilnehmern:

„Beeindruckt hat mich außerdem der TKDD-Day – das war ein tolles Erlebnis.“

Sie möchte ihren Meister künftig unterstützen, TKDD langfristig zu verankern.

Auch Nina Hille, zum ersten Mal dabei, blickt auf eine intensive Lernkurve zurück: „Wie viel man in sieben Tagen lernen kann! Man muss den Verstand ausschalten, um zurechtzukommen.“ Die größte Hürde sei die Vielzahl an Techniken gewesen: „Ich hatte das Gefühl, mir vieles nicht merken zu können. Am Ende hat es doch geklappt.“ Von der praktischen Wirksamkeit ist sie überzeugt: „Beim Training mit Maxi und Su [beide 3. Dan TKDD und TKDD-Ambassadors in Deutschland] habe ich gemerkt, dass ich als Angreifer keinerlei Chance hätte.“

Eine internationale Perspektive bringt Annis Polychronidis aus Zypern ein. Besonders gefiel ihr, dass Teilnehmende aus verschiedenen Ländern zusammenkamen: „Jeder brachte seine eigenen Erfahrungen ein.“ Beeindruckt hätten sie die Inhalte der Meister: „Kombinationen, Messertechniken, Hebel, Greifen, Noodle-Sparring, und auch Meditation und Philosophie aus Korea.“ Ihr Fazit: „Es ist eine starke Gemeinschaft mit sehr erfahrenen Leuten. Ich möchte dieses Training in meinem Club einführen und jedem empfehlen.“

Hinsehen, anpassen, verbessern

So viel Begeisterung – und doch gab es konstruktive Kritik. Besonders häufig wurden die sehr langen Trainingstage erwähnt, die viele an ihre körperlichen Grenzen brachten. Präsident Kim wollte die Zeit bestmöglich nutzen, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer grundsätzlich schätzten, in dieser Intensität jedoch als zu extrem empfanden. Auch der Ablauf der Prüfungen in den höheren Dangraden sorgte für Rückmeldungen: Die Möglichkeit, einzelne Prüfungsteile zu wiederholen, wurde zwar als fair angesehen, wirkte für viele europäische Teilnehmende in der Umsetzung jedoch ungewohnt.

Beides wird für die Jubiläumsausgabe überarbeitet. Ziel ist es, die gewohnte Intensität beizubehalten, aber Belastung, Pausen und Prüfungsstruktur klarer zu gestalten.

Wohin sich TKDD entwickelt

Season 9 hat gezeigt, dass TKDD nicht nur ein Seminarprogramm ist, sondern eine Weiterentwicklung des Taekwondo-Denkens: praxisnah, direkt, lernintensiv und gemeinschaftsorientiert. Oder, wie eine Teilnehmerin es ausdrückte: „Ich möchte alle Inhalte vertiefen und wiederholen. Ich finde, das Seminar ist ein spannendes Event.“