Mike McKenzies Kolumne

Zeit, die Dinge anders zu sehen

Zur Person: Mike McKenzie

Michael McKenzie leitet einen der erfolgreichsten Clubs in Großbritannien. Er war (unter anderem) 2012 Sport-Manager für Taekwondo bei den Olympischen Spielen in London und Vizepräsident von British Taekwondo. Seine langjährigen und vielseitigen Erfahrungen bringt er immer als Kommentator bei Taekwondo-Events zum Einsatz.

Letzten Monat habe ich über professionelles Taekwondo und die manchmal negativen Konnotationen, die damit verbunden sind, geschrieben. Um die Diskussion fortzusetzen, möchte ich diesen Monat über meine Probleme mit der Taekwondo-Gemeinschaft hier in Großbritannien und, wie ich glaube, auch in anderen Ländern schreiben.

Wie ich schon oft gesagt habe, habe ich 1988 begonnen, Taekwondo professionell zu unterrichten. Letzten Monat war der 40. Jahrestag meiner Prüfung zum ersten Dan. Derzeit bin ich siebter Dan, ein Gürtelgrad, den ich 2010 erreicht habe. Ich habe nie eine Pause von Taekwondo gemacht. Taekwondo ist der Hauptschwerpunkt in meinem Leben. In meiner Karriere habe ich viele Menschen aller Altersgruppen und Fähigkeiten bis zum schwarzen Gürtel ausgebildet. Einige meiner Schüler sind heute Meister und leiten ihre eigenen Schulen, und einige meiner Athleten sind auf Weltklasse-Niveau. Ich trainiere und unterrichte sechs Tage pro Woche, oft mit Wettkämpfen, Graduierungen und Seminaren am siebten Tag.

In dieser Zeit habe ich mich als internationaler WT(F)-Schiedsrichter, internationaler Kukkiwon-Lehrer, GB-Team-Manager, olympischer Sportmanager, WT-Komiteemitglied, britischer Taekwondo-Vizepräsident und GB-Taekwondo-Vorstandsmitglied qualifiziert. Einige werden sich vielleicht daran erinnern, dass ich von 2014-2016 WT-Kommentator bei Grand Prix und Europameisterschaften war und sogar die ersten beiden WT-Beach-Meisterschaften moderiert habe!

Lange dabei zu sein allein ist kein Verdienst

Als ich das Foto der 1982 ausgestellten Schwarzgurt-Urkunde veröffentlichte, kommentierten die Leute, was ihnen wichtig erschien, und das war die verstrichene Zeitspanne und der Grad. Ich glaube, das ist eines der Probleme des Taekwondo. Als Gemeinschaft wird der langen Zeitspanne, in der man schon trainiert, und der Graduierung zu viel Bedeutung beigemessen, anstatt den Wert, den Beitrag und die tatsächlichen Leistungen in dieser Zeit zu betrachten. Noch wichtiger ist jedoch das Potenzial, weiterzumachen und mehr zur Entwicklung des Taekwondo beizutragen.

Wir sollten die Leistungen der Vergangenheit anerkennen und belohnen, aber auch auf eine vielversprechende Zukunft schauen. Bei all meinen Erfolgen in der Vergangenheit, ist es für mich wichtiger, an sechs Tagen in der Woche zu unterrichten. Zählt man meine Stunden im Dojang, auf Wettkämpfen im In- und Ausland und die Seminare, die ich besucht, veranstaltet oder geleitet habe, zusammen, kommt man auf eine sehr große Zahl. Ich möchte auch betonen, dass ich immer noch in erster Linie Taekwondo lerne.

Die Taekwondo-Gemeinschaft muss Kompetenz, Wissen und Erfahrung anerkennen und nicht das Alter der Graduierung und die Dauer des Trainings, besonders, wenn in dieser Zeit wenig erreicht wurde. Meiner Meinung nach hemmt die Statusorientierung das Wachstum und die Entwicklung von Taekwondo. Ich kritisiere nicht einzelne Personen oder bin respektlos, aber ich kritisiere die Art und Weise, in der Status von einigen beansprucht wird, ohne dass sie das Leben führen, das ihn rechtfertigt.

Ungesunde Konkurrenz

Ein weiteres Problem, das ich in der Taekwondo-Gemeinschaft sehe, ist die kleinliche Eifersucht und die Art und Weise, in der einige Leute glauben, dass sie ungerecht behandelt werden oder dass andere Vereine aufgrund von Voreingenommenheit oder Bevorzugung erfolgreich sind, und nicht, weil sie gut strukturiert, gut organisiert, oft seit langem etabliert sind und ein hohes öffentliches Profil haben.

Wir sind Konkurrenten auf den Matten. Wir sind vielleicht in derselben Region und versuchen, Schüler aus derselben Gegend anzuziehen, aber unser wirklicher Wettbewerb sind nicht andere Taekwondo-Vereine und -Schulen. Es ist Fußball, es sind Videospiele, es sind die vielen anderen Aktivitäten, die uns potenzielle Mitglieder wegnehmen. Wir müssen unser Bestes tun, um so viele Menschen wie möglich für Taekwondo zu begeistern.

Kleingeistigkeit und fehlende Visionen hemmen das Wachstum des Sports und der Kampfkunst Taekwondo.

Das öffentliche Gesicht von Taekwondo hat sich in all den Jahren, in denen ich trainiere, nicht verändert. Wir jagen Mannschaftspokale und Medaillen in einem Sport, bei dem die einzigen Zuschauer andere Wettkämpfer und Familienmitglieder sind, die zur Teilnahme verpflichtet sind. Wir schaffen keine Veranstaltungen, die Zuschauer und Sponsoren anziehen. Manche kritisieren den Sport, manche kritisieren World Taekwondo, aber die Wahrheit ist, dass wir weiterhin Veranstaltungen organisieren, bei denen die Teilnehmer die Startgebühren für die Veranstaltung bezahlen und die Gewinne nicht in die Verbesserung künftiger Veranstaltungen investiert werden. Vielen Dachverbänden geht es nur um die Zahl der Mitglieder, und sie sind nicht in der Lage, die Sichtbarkeit und das Profil von Taekwondo zu verbessern.

In vielen Ländern werden die Talentpools immer kleiner, da es uns nicht gelingt, eine sinnvolle Jugendbeteiligung zu entwickeln. Heute beginnen die meisten Schüler im Alter von fünf oder sechs Jahren mit Taekwondo und hören auf, bevor sie zehn Jahre alt sind.

Taekwondo hat viele stärken – nutzt Sie!

Die Taekwondo-Gemeinschaft muss bei sich selbst ansetzen und auf allen Ebenen Veränderungen vornehmen. Die Prioritäten müssen sich ändern, die Einstellung muss sich ändern. Taekwondo muss auf allen Ebenen professioneller werden. Professionell in dem Sinne, dass es besser wird. Wir sind als Kampfsportart von MMA in den Schatten gestellt worden. Als olympische Sportart haben wir es nicht geschafft, das Sponsoring und die Anerkennung vergleichbarer Sportarten zu erreichen.

Das klingt alles negativ, aber es ist als Aufruf zum Handeln gedacht. Jeder, der mit Taekwondo zu tun hat, kann anfangen, etwas zu verändern. Taekwondo fördert Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden. Es ist eine Aktivität, von der Männer, Frauen und Kinder profitieren, ohne Diskriminierung oder Vorurteile. Die führenden Taekwondo-Sportler sehen aus wie Models oder Filmstars. Das WT-Demonstrationsteam erhält weltweite Fernsehberichterstattung. Taekwondo ist dynamisch und aufregend, und wir, die Taekwondo-Gemeinschaft, müssen dies erkennen und danach handeln.