„Die Kunst des Selbst“ von David Ippen
Wenn Taekwon-Do auf Literatur trifft

Am Nachmittag des 18. Mai 2025 fand die Vorstellung der zweiten Auflage des Buches „Die Kunst des Selbst – eine Interpretation des traditionellen Taekwon-Do“ in der Alten Rotationshalle des Münchner Zeitungsverlages in der Metropole München statt. Dieser historische und beeindruckende Veranstaltungsort, der ursprünglich als Produktionsstätte für die Zeitungen des Münchner Merkurs diente, hat sich mittlerweile zu einem Zentrum für kulturelle und inspirierende Veranstaltungen entwickelt.

Die Präsentation in dieser außergewöhnlichen Kulisse bot den perfekten Rahmen, um David Ippens Werk einem breiten Publikum vorzustellen.
Zu diesem Anlass waren Gäste aus der Familie des Autors, aus dem Medienbereich sowie aus dem traditionellen Taekwon-Do aus München und Umgebung geladen. Unter den Gästen seien vor allem der Gastgeber Dr. Dirk Ippen, Verleger des Münchner Zeitungsverlages, und seine Frau Marlene, Kerstin Ludolph, Verlegerin des Hirmer Verlages, sowie der ehemalige Vorsitzende des Traditional Taekwon-Do Centers e.V. (TTC e.V.), Großmeister Johannes G. Kaiser, und seine Frau Larissa erwähnt.

Auch durch den Beitrag der Mitglieder des deutschen Nationalteams des TTC e.V. unter der hervorragenden Leitung von Christina Jaud und dank der tatkräftigen Unterstützung von Zensela Robeck wurde die Veranstaltung ein großer Erfolg.

Diese Buchveranstaltung war für die traditionelle Taekwon-Do-Gemeinschaft eine neue Erfahrung, da in der Regel Lehrgänge, Schuljubiläen oder Turniere die verschiedenen Großmeister zusammenbringen. Genau aus diesem Grund versuchte Ippen, diesen Anlass nicht nur für die Vorstellung seines Buches zu nutzen, auch als Möglichkeit, das traditionelle Taekwon-Do einem Publikum vorzustellen, das sonst kaum Berührungspunkte mit dieser Kunst hat. Zusätzlich sollte diese Veranstaltung ein Zeichen für die Gemeinschaft im Geiste des traditionellen Taekwon-Do setzen und dazu beitragen, internationale Brücken zu schlagen.

Die Veranstaltung gliederte sich in drei Teile: den Vortrag, die Vorführung sowie die Buchsignierung mit anschließendem Meet & Greet.

Gedanken zum „Do“ – Die Vorträge

Zum Auftakt begann Dr. Dirk Ippen mit einigen einleitenden Worten zur Location, der Alten Rotationshalle, und deren historischer Bedeutung und begrüßte die Gäste. Auch die Verlegerin des Hirmer Verlages, Kerstin Ludolph, richtete einige Worte zur zweiten Auflage des Buches an das Publikum.

Anschließend stellte der Autor selbst sein Werk vor. Dabei ging er auf die Entwicklung des Buches ein und präsentierte die wesentlichen Neuerungen der zweiten Auflage. Ippen sprach über die Bedeutung der Taekwon-Do-Philosophie als Lebensweg, der helfen könne, den Herausforderungen und Bedürfnissen der modernen Gesellschaft zu begegnen.

In einer Welt, die immer schneller und komplexer wird, bietet das Buch „Die Kunst des Selbst“ nicht nur eine Möglichkeit zur Selbstreflexion, sondern liefert auch praxisorientierte Ansätze, um die eigenen Ziele und Werte zu erkennen und im Alltag umzusetzen. Trotz des scheinbaren Anachronismus der Taekwon-Do-Praxis und ihrer möglicherweise fragwürdig erscheinenden modernen Relevanz sieht Ippen das Streben nach dem „Do“ als ein wichtiges Unterfangen.

Er betonte, dass der Mensch stets im Zentrum des Taekwon-Do stehe und die Taekwon-Do-Philosophie einen hervorragenden Weg zur Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung darstelle. Vor allem die Erkenntnis der eigenen Menschlichkeit solle zur Erkenntnis der Menschlichkeit im Gegenüber führen – eine Einsicht, die gerade in der heutigen Zeit von besonderer Bedeutung ist.

Für Ippen fördert Taekwon-Do Toleranz, Empathie und Verständnis und verbindet Menschen weltweit, die diese Kunst praktizieren. Dies wird klar in den Tugenden des Taekwon-Do ausgedrückt und ist stets fester Bestandteil der Verhaltensregeln im Unterricht.

Auf individueller Ebene ermöglicht Taekwon-Do eine wahre Selbstverwirklichung, die nicht in äußeren Erfolgen oder Bestätigungen zu finden ist, sondern in innerer Klarheit und Authentizität. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen das Gefühl haben, von äußeren Erwartungen und dem Streben nach Anerkennung überfordert zu sein, zeigt Taekwon-Do einen Weg zu einem erfüllteren und selbstbestimmteren Leben.

Zum Abschluss betonte Ippen noch einmal, dass es im Taekwon-Do letztlich um den Grundgedanken der Harmonie gehe – sowohl auf menschlicher als auch auf technischer Ebene. Zentraler Gedanke sei das Streben nach einer friedlichen Welt, das laut dem Gründer des Taekwon-Do, General Choi Hong Hi, immer im Vordergrund stehen müsse.

Die Kunst in Bewegung – Vorführung des TTC-Nationalteams

Im Anschluss an Ippens Vortrag begeisterten die Mitglieder des Deutschen Nationalteams des TTC e.V. mit einer spektakulären Vorführung das Publikum. Das Team demonstrierte die tragenden Hauptsäulen des Taekwon-Do: den traditionellen Freikampf (Chayu Taeryon), Formenlauf (Hyong), Selbstverteidigung (Hosinsul) sowie natürlich verschiedene Bruchtests (Kyeokpa), die das Publikum staunen ließen.

Auch der jetzige Vorsitzende des TTC e.V., Großmeister Thomas Könnecke, der aus Salzburg angereist war, ließ es sich nicht nehmen, seinen Spezialbruchtest mit der Fingerspitze auf einem Ytong-Stein zu demonstrieren.

Für viele der Zuschauer war diese Vorführung die erste unmittelbare Begegnung mit Taekwon-Do. Die „Crème de la Crème“ des traditionellen Taekwon-Do hautnah und in Aktion erleben zu dürfen, hinterließ bei den Gästen einen bleibenden Eindruck. Das deutsche Nationalteam hinterließ damit beeindruckende und nachhaltige Eindrücke.

Ein Abend des Austauschs – Begegnungen rund um das Buch

Zum Abschluss bot sich die Gelegenheit, mit David Ippen persönlich ins Gespräch zu kommen, gemeinsame Fotos zu machen und sich sein Exemplar der zweiten Auflage signieren zu lassen.

Während des anschließenden Stehempfangs und einer kulinarischen Verköstigung hatten die Gäste und Großmeister die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen, neue Verbindungen zu knüpfen und bestehende Kontakte zu vertiefen.

Im Fazit wurde deutlich, dass diese Buchvorstellung ein Zeichen dafür war, dass die Gemeinschaft des traditionellen Taekwon-Do denselben Werten folgt – unabhängig von den verschiedensten Abzeichen auf den Taekwon-Do-Anzügen.

Taekwon-Do als Lebensphilosophie – Über das Buch

Die Kunst, sich selbst zu verstehen und sein volles Potenzial zu entfalten, ist seit Jahrhunderten ein zentrales Thema in Philosophie und Psychologie. In seiner Veröffentlichung „Die Kunst des Selbst“ hat der deutsche Taekwon-Do-Großmeister und Autor David Ippen eine zeitgemäße und tiefgehende Auseinandersetzung mit diesem Thema geschaffen.

Das Buch, das erstmals 2015 auf Englisch und Deutsch erschien, stellt eine wertvolle Erweiterung des ursprünglichen Werkes dar und bietet den Lesern zusätzliches Material zum Verständnis des traditionellen Taekwon-Do.

Ippen leitet seit 2009 eine Taekwon-Do-Schule in Honolulu, Hawaii, und veröffentlichte das Buch daher zweisprachig, um es auch seinen Schülern zugänglich zu machen. Einige Jahre später wurde das Buch ins Japanische übersetzt und veröffentlicht; eine chinesische Fassung ist derzeit in Arbeit.

Dieses Buch ist kein technisches Handbuch, sondern widmet sich vor allem der Philosophie des Taekwon-Do – genauer gesagt der Philosophie des traditionellen Taekwon-Do im Vergleich zum modernen Taekwon-Do. Zu diesem Thema gibt es bislang nur wenig Literatur, da meist die technischen Aspekte des Taekwon-Do im Vordergrund des Interesses stehen.

Hier versucht „Die Kunst des Selbst“, eine Lücke zu schließen, indem sie sich intensiv mit dem geistigen Hintergrund des „Do“ beschäftigt. Das zentrale Anliegen dieses Buches ist die Vorstellung des Taekwon-Do als Lebensphilosophie, die den Menschen im Innersten berührt.

Die Philosophie des Taekwon-Do dient dabei als Leitfaden für die Praxis der Selbstentfaltung und Persönlichkeitsentwicklung durch Technik. Der „Do“ ist ein Lebensweg, der alle Bereiche des Lebens durchdringt und zu einem ausgeglicheneren und freieren Leben führen kann.

„Die Kunst des Selbst“ erläutert die verschiedenen Facetten des Taekwon-Do und interpretiert sie vor dem Hintergrund der Werte des traditionellen Taekwon-Do.

Fotos: Nadine Henning