Olympische Werte werden hier gelebt

IOC-Ehrenpräsident Dr. Thomas Bach besucht das Taekwondo Competence Center Friedrichshafen.

Der Besuch von Dr. Thomas Bach im Taekwondo Competence Center (TCC) Friedrichshafen war weit mehr als ein offizieller Termin. Für Markus Kohlöffel und sein Team war die Visite des IOC-Ehrenpräsidenten eine besondere Auszeichnung und eine Würdigung der Arbeit, die in Friedrichshafen seit Jahren für internationale Spitzenathleten, Flüchtlingssportler und Para-Athleten geleistet wird.

Als Dr. Thomas Bach am 11. Juni die Sporthalle des Bildungszentrums Bodensee-Schule St. Martin betrat, wurde schnell deutlich, dass dieser Besuch für alle Beteiligten etwas Besonderes war. Zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Sport und Gesellschaft waren nach Friedrichshafen gekommen, um den ehemaligen IOC-Präsidenten willkommen zu heißen. Doch im Mittelpunkt standen an diesem Tag die Athletinnen und Athleten des Taekwondo Competence Centers.

Für Markus Kohlöffel war allein die Tatsache, dass sich Thomas Bach Zeit für einen Besuch nahm, bereits eine große Auszeichnung.

„Das Besondere war der Besuch an sich“, erklärt Kohlöffel. „Wir waren stolz, eine solche globale Sportgröße in Friedrichshafen begrüßen zu dürfen. Für uns war das ein echter Ritterschlag.“

Anerkennung für ein einzigartiges Projekt

In seiner Ansprache hob Dr. Thomas Bach insbesondere die besondere Rolle des TCC hervor. Weltweit gebe es keine vergleichbare Einrichtung, in der Stipendiaten von Olympic Solidarity, Flüchtlingsathleten und Para-Sportler gemeinsam trainieren, gefördert werden und eine sportliche wie persönliche Perspektive erhalten.

Dabei stellte der IOC-Ehrenpräsident selbst die Frage, warum er nach Friedrichshafen gekommen sei – und beantwortete sie unmittelbar:

„Weil ich Markus Kohlöffel und seinem Team Danke sagen will. Danke für dieses in der Welt einzigartige Kompetenzzentrum. In keinem anderen Zentrum werden unsere Athleten derart unterstützt. Herr Kohlöffel, Sie sind ein Star in Ihrem Team.“

Für die Verantwortlichen des TCC war diese öffentliche Würdigung durch den langjährigen IOC-Präsidenten eine außergewöhnliche Anerkennung ihres Engagements.

„Es war eine große Anerkennung für unsere Arbeit. Wenn jemand wie Thomas Bach die Einzigartigkeit unseres Projekts und die Leistungen unseres Teams hervorhebt, ist das eine besondere Auszeichnung für alle, die daran mitwirken“, sagt Kohlöffel.

Vorbild für die olympische Bewegung

Bach erinnerte zudem daran, dass das TCC bereits bei der Einführung des Refugee Teams für die Olympischen Spiele 2016 eine wichtige Rolle gespielt habe. Heute gilt die Einrichtung als Vorbild für vergleichbare Projekte weltweit.

„Hier werden die olympischen Werte gelebt und nicht nur propagiert. In erster Linie die Solidarität, ein wesentlicher olympischer Wert.“

Mit diesen Worten unterstrich Bach die besondere Bedeutung des Friedrichshafener Kompetenzzentrums für die internationale olympische Bewegung.

Ein Sportpolitiker zum Anfassen

Besonders beeindruckt zeigte sich das Team des TCC von der persönlichen Art des IOC-Ehrenpräsidenten. Trotz seines engen Terminkalenders nahm sich Bach viel Zeit für Gespräche mit den Athleten, beantwortete Fragen und stand für zahlreiche Fotos zur Verfügung.

„Er war ein Sportpolitiker zum Anfassen“, berichtet Kohlöffel. „Man hat gespürt, dass ihm die Menschen wirklich wichtig sind. Er sprach mit jedem Athleten individuell und wechselte dabei selbstverständlich zwischen Englisch, Spanisch und Französisch.“

Gerade bei den internationalen Sportlern sei dies außergewöhnlich gut angekommen. Viele der Athleten stammen aus unterschiedlichen Ländern und Lebenssituationen. Dass sich der ehemalige IOC-Präsident für jeden Einzelnen interessierte, habe eine enorme Motivation ausgelöst.

Dabei spielte auch Bachs Engagement für Flüchtlingssportler eine wichtige Rolle. Bereits 2016 hatte er das Refugee-Programm des IOC ins Leben gerufen und damit zahlreichen Athleten eine sportliche Perspektive eröffnet.

Internationale Talentschmiede am Bodensee

Die Wertschätzung kommt nicht von ungefähr. Spitzensportler aus Serbien, Nigeria, Afghanistan, den Niederlanden, Bolivien, Gabun, Guinea und Deutschland trainieren regelmäßig im TCC. Seit 2017 ist die Einrichtung offizielle Partnertrainingsstätte des IOC und arbeitet mit 18 Nationalen Olympischen Komitees zusammen.

Bei der Vorstellung des Zentrums präsentierte Markus Kohlöffel beeindruckende Zahlen: Seit 1995 gewannen Athletinnen und Athleten des TCC rund 3.000 Medaillen. Darunter befinden sich olympisches Silber, eine Medaille bei den Olympischen Jugendspielen sowie insgesamt 17 Medaillen bei Weltmeisterschaften, darunter drei Weltmeistertitel.

Olympische Ringe als besonderes Geschenk

Ein emotionaler Höhepunkt des Tages war die Übergabe der Olympischen Ringe an das TCC Friedrichshafen. Mit diesem symbolträchtigen Geschenk bedankte sich Thomas Bach stellvertretend bei Markus Kohlöffel und seinem gesamten Team für deren Engagement.

Für die Verantwortlichen des TCC ist diese Geste von besonderer Bedeutung. Sie unterstreicht die internationale Wertschätzung für ein Projekt, das weit über die Grenzen des Taekwondo hinaus Wirkung entfaltet.

Erfolge auf höchstem Niveau

Dass die Arbeit in Friedrichshafen Früchte trägt, zeigen die aktuellen sportlichen Erfolge eindrucksvoll.

Bei den Afrikameisterschaften in Bamako gewann Veronica Mbang Esono Eyang aus Äquatorialguinea den Titel und schrieb damit Sportgeschichte. Als erste Individualsportlerin ihres Landes überhaupt wurde sie Afrikameisterin. Zusätzlich wurde sie zur besten Athletin des gesamten Turniers gewählt. Mit der Auszeichnung zur besten Sportlerin der Afrikameisterschaften erhielt ihr historischer Erfolg zusätzliche Bedeutung. Für ihre Rückkehr nach Malabo wurde sogar ein Autokorso organisiert, bevor sie vom Sportminister ihres Heimatlandes empfangen wurde.

Einen weiteren Titel für das TCC sicherte Mahamadou Maharana Amadou Toudiani aus Niger.

Bereits zuvor hatte Elizabeth Anyanacho bei den Weltmeisterschaften 2025 in Wuxi Geschichte geschrieben und als erste nigerianische Taekwondo-Sportlerin überhaupt eine WM-Medaille gewonnen.

Zur Erinnerung: Auch der Olympiazweite von Rio 2016 und Weltmeister von 2017, Abdoulrazak Issoufou Alfaga aus Niger stammt aus der Friedrichshafener Talentschmiede. Seine Erfolge stehen exemplarisch für die nachhaltige Arbeit, die seit vielen Jahren am Bodensee geleistet wird.

Sport als Chance für die Zukunft

Das Konzept des TCC beschränkt sich jedoch nicht auf sportliche Erfolge. Alle Stipendiaten absolvieren parallel eine intensive sprachliche Ausbildung und erreichen mindestens das Deutsch-Niveau B2. Dadurch eröffnen sich ihnen auch berufliche Perspektiven in Deutschland.

Genau diese Verbindung aus Spitzensport, Bildung und gesellschaftlicher Integration macht das Taekwondo Competence Center Friedrichshafen zu einer weltweit beachteten Einrichtung. Der Besuch von Dr. Thomas Bach war daher nicht nur eine große Ehre für das TCC, sondern zugleich eine Bestätigung für ein Konzept, das seit Jahren Athleten aus aller Welt neue Perspektiven eröffnet.