Mike McKenzies Kolumne
Mein Jahr 2026 – eine berufliche und persönlich Zwischenbilanz

In dieser Kolumne schreibe ich normalerweise über ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt oder das für eine breite Leserschaft interessant sein könnte. Diesen Monat habe ich diesen Anspruch nicht. Stattdessen möchte ich über mein bisheriges Jahr berichten – sowohl aus der Perspektive eines 57-jährigen Mannes als auch als hauptberuflicher Taekwondo-Trainer.
Ende 2025 wurde ich von British Taekwondo für einen Lifetime Achievement Award nominiert. Ich habe mich jedoch entschieden, meine Teilnahme zurückzuziehen, da die Auszeichnung als Wettbewerb konzipiert war, bei dem die Nominierten auf die Bühne gehen und am Ende ein Gewinner verkündet wird. Ich halte das für unangebracht. Eine solche Auszeichnung sollte kein Wettbewerb sein. Dennoch hat mich die Nominierung dazu gebracht, über mein Leben im Taekwondo nachzudenken – und auch über das, was ich hinterlassen möchte.
Alltag im Dojang – zwischen Wettkampf und Nachwuchsarbeit
Jede Woche unterrichte ich zwölf Taekwondo-Klassen und drei Kickbox-Kurse. Ich betreibe ein hauptberufliches Taekwondo-Zentrum in Oxspring, South Yorkshire. Der Ort liegt etwa eine Autostunde von Manchester entfernt, eingebettet in die Pennines. Ich nenne ihn gern „mitten im Nirgendwo und gleichzeitig im Zentrum von allem“. In der Nähe liegen Barnsley und Sheffield, Huddersfield und Leeds sind ebenfalls gut erreichbar, und auch Doncaster – eines der drei großen Taekwondo-Zentren Großbritanniens neben London und Manchester – ist nur etwa 40 Minuten entfernt. Die Umgebung ist geprägt von der reizvollen Landschaft Yorkshires.
Interessanterweise begann das Jahr im Zentrum zunächst nicht mit Taekwondo, sondern mit Erfolgen unserer Einsteiger im Brazilian Jiu-Jitsu bei ihrem ersten Wettkampf sowie mit der Einführung neuer Pilates-Kurse. Im Taekwondo selbst nahmen wir nach der Pause wieder den regulären Trainingsbetrieb an sechs Tagen pro Woche auf, und drei unserer Nachwuchssportler wurden zu Perspektivlehrgängen ins nationale Trainingszentrum eingeladen.
Unser erster Taekwondo-Wettkampf des Jahres fand Ende Januar in Manchester statt. Wir traten mit einem kleinen Team an, überwiegend bestehend aus Anfängern und Kadetten. Die Leistungen waren sehr überzeugend. Noch wichtiger war jedoch, dass wir neue Athleten und engagierte Eltern gewinnen konnten – eine entscheidende Grundlage für die Weiterentwicklung unseres Teams.
Anfang Februar stand unser erster internationaler Wettkampf an. Drei Junioren reisten mit mir zu den Austrian Open, begleitet von ihren Eltern. Ein weiterer Athlet startete im Rahmen der britischen Nachwuchsnationalmannschaft. Für unsere Sportler war es der erste Wettkampf unter den neuen Regeländerungen und mit den KPNP-PSS-Handschuhen – eine interessante Erfahrung. Izzy Lodge gewann nach einer starken Halbfinalleistung in der Klasse bis 46 kg die Bronzemedaille. Was ich dabei allerdings vermisste, war die Möglichkeit, Kopftreffer anzufechten.
Im Februar fanden zudem die ersten Schulferien statt – und damit unser dreitägiger „Holiday Club“. Das Zentrum öffnete täglich bereits um 8 Uhr und bot ganztägige Programme rund um Taekwondo und verwandte Aktivitäten für Kinder.
Ein weiteres Highlight im Februar war ein Seminar mit dem Europameister, WM-Dritten und Olympia-Silbermedaillengewinner Caden Cunningham. Das Seminar wurde in zwei jeweils zweistündige Einheiten aufgeteilt: morgens für Kinder und Peewees, nachmittags für Kadetten, Junioren und Senioren. Beide Einheiten waren sehr gut besucht und boten einen gelungenen Start ins Jahr.
Am 1. März nahmen wir an unserem zweiten nationalen Wettkampf im Norden Englands teil. Diesmal mit einem kleinen Team von elf Athleten, darunter sowohl Anfänger als auch erfahrene Kämpfer. Das Ergebnis war sehr erfreulich: neun Medaillen, davon fünf Gold – alle absolut verdient.
Kurz darauf führten wir unsere erste Kup-Prüfung des Jahres durch, bei der 41 Teilnehmer erfolgreich ihre nächste Graduierung erreichten.
Am vergangenen Wochenende nahmen unsere Athleten an offenen Trainingseinheiten bei Manchester Ultimate Taekwondo und Scorpion Taekwondo Doncaster teil. Beide Vereine hatten zuvor unsere Veranstaltungen unterstützt, sodass wir nun ihr Angebot nutzten. Solche Einheiten sind eine wertvolle Gelegenheit für neue Trainingsreize und unterschiedliche Sparringspartner.
Während ich diese Zeilen schreibe, bereite ich mich auf die Reise nach Belgien zum Belgian G1 vor, bei dem vier unserer Junioren Quest vertreten werden. Es ist bereits unser zweites internationales Turnier in diesem Jahr.
Persönliche Ziele und körperliche Realität
Neben diesem Einblick in den Trainingsalltag möchte ich auch die persönliche Seite beleuchten. Ich bin 57 Jahre alt, 178 cm groß, wiege 90 Kilogramm und befinde mich in meinem 47. Jahr im Taekwondo. 2010 habe ich den 7. Dan abgelegt, und im kommenden Jahr plane ich die Prüfung zum 8. Dan am Kukkiwon.
Ich bin Großvater – meine Enkel, ein Junge und ein Mädchen, leben mit meiner Tochter und ihrem Mann in den USA. Meine andere Tochter lebt im Süden Englands, mein Sohn in Guangzhou, China. Wir stehen in gutem Kontakt, sehen uns jedoch selten persönlich. Ich habe zudem zwei erwachsene Stiefkinder, die bereits ausgezogen sind. Ich lebe mit meiner Frau zusammen, die als Intensivkrankenschwester arbeitet. Dieser Einblick soll meinen Lebensstil verdeutlichen – und erklären, warum ich mich nun wieder stärker auf meine eigene Entwicklung konzentrieren kann.
Im Jahr 2025 begann ich, einen Zehn-Jahres-Plan zu entwickeln. Das Renteneintrittsalter in Großbritannien liegt bei 67 Jahren. Auch wenn ich nicht vorhabe, aufzuhören, möchte ich mir Optionen offenhalten. Ein erster Schritt war, meine körperliche Verfassung zu verbessern. Die Voraussetzungen dafür sind ideal: Unser Zentrum verfügt über einen vollständig ausgestatteten Fitnessbereich, installiert durch Cadens Sponsor Absolute Performance, der uns diese Ausstattung überlassen hat. Mit Kayode Odejayi, einem ehemaligen Profifußballer und nigerianischen Nationalspieler, haben wir zudem einen hervorragenden Fitnesscoach, der wöchentlich sechs CircHITT-Kurse leitet. Ergänzt wird das Angebot durch zwei Pilates-Kurse und eine eigene Physiotherapie.
Das intensive Training ist körperlich fordernd, und ich musste bereits zweimal pausieren – einmal aufgrund wiederkehrender Rückenprobleme und einmal wegen einer starken Erkältung. Nach jeder Pause hatte ich das Gefühl, wieder ganz von vorne beginnen zu müssen.
Jahrelanges Kicken hat meine Hüften stark beansprucht, sodass selbst ein einfacher Seitkick zur Herausforderung geworden ist. Gerade im fortgeschrittenen Poomsae-Bereich, in dem viele Seitkicks vorkommen, ist das problematisch. Deshalb habe ich mir vorgenommen, selbst wieder an Poomsae-Wettkämpfen teilzunehmen – auch um zu zeigen, dass ich mehr bin als nur ein Wettkampftrainer, und um mich gezielt auf meine nächste Dan-Prüfung vorzubereiten.
Systemkritik und Blick nach vorn
Gleichzeitig wächst meine Frustration über das Taekwondo-System in Großbritannien. British Taekwondo wird überwiegend von Personen geführt, die keinen direkten Taekwondo-Hintergrund haben. Trotz unserer Erfolge fehlt es an moderner Wettkampfausrüstung, insbesondere an aktuellen PSS-Systemen, und Nachwuchsathleten müssen ihre Teilnahme weiterhin selbst finanzieren.
Das britische System sieht vor, dass talentierte Athleten früh aus den Vereinen heraus in zentrale Strukturen integriert werden. Junioren verbringen zwei Wochenenden im Monat im Entwicklungsprogramm, während Spitzenathleten dauerhaft im nationalen Trainingszentrum in Manchester trainieren. Für Vereine bedeutet das: Sobald man Athleten erfolgreich aufgebaut hat, verliert man sie an das nationale System.
Ich habe das Glück, weiterhin engen Kontakt zu Spitzenathleten wie Aaliyah Powell und Caden Cunningham zu haben. Dennoch frage ich mich oft, was möglich gewesen wäre, wenn sie weiterhin vollständig im Vereinssystem geblieben wären. Beide haben bereits als Vereinsathleten internationale Erfolge erzielt, und Aaliyah gewann sogar eine Bronzemedaille bei den Senioren-Weltmeisterschaften – mit einem Großteil ihrer Vorbereitung im Quest-Zentrum.
Eigentlich wollte ich in diesem Jahr eigene Wettkämpfe ausrichten, doch ohne moderne PSS-Systeme bin ich nicht bereit, Veranstaltungen auf einem niedrigeren Niveau zu organisieren. Auch fehlen mir aktuell die finanziellen Mittel, um dies ohne Sponsoren umzusetzen. Stattdessen konzentrieren wir uns auf Vereinsveranstaltungen. Im Mai werden wir unter anderem Seminare mit Eve Sanderson durchführen.
Im Bewusstsein meiner eigenen Grenzen habe ich ein kleines Team von Direktoren zusammengestellt, um ein langfristiges Vermächtnisprogramm für Quest zu entwickeln. Wir treffen uns alle zwei Wochen früh am Morgen, um strategische Konzepte zu erarbeiten. Sobald diese abgeschlossen sind, werde ich sie vorstellen und zur Diskussion stellen.
Da die European Taekwondo Union in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, hoffe ich, mich aktiv an den Feierlichkeiten beteiligen zu können.
Zum Abschluss möchte ich einen Beitrag teilen, den ich kürzlich auf Facebook veröffentlicht habe:
Ein Vereinscoach zu sein bedeutet, Menschen einen Weg zu eröffnen, ihr Potenzial im Sport und im Leben zu entfalten. Es bedeutet, sich ständig neu zu erfinden, anzupassen und weiterzuentwickeln. Dauer, Rang und Titel verlieren an Bedeutung, wenn man nicht mehr relevant ist. Frustrierend wird es jedoch, wenn man Teil eines Systems ist, das sich selbst erhält, ohne echten Mehrwert zu schaffen. Als Kampfkunstlehrer geht es darum, Menschen durch Taekwondo selbstbewusster, glücklicher und gesünder zu machen. Systeme und Organisationen sind letztlich zweitrangig. Ich lebe dafür, zu unterrichten und zu coachen.




