„Meisterschaft bedeutet Verantwortung.“
Thomas Könnecke über seinen Weg und die Zukunft des traditionellen Taekwondo in Deutschland.

Seit November 2025 steht Thomas Könnecke, 6. Dan, an der Spitze der traditionellen Taekwondo Centers e.V. (TTC) in Deutschland. Für ihn ist Taekwondo ein Weg, der Menschen formt und verbindet. Als neuer Vorsitzender will er genau diese Verbindung stärken und neue Impulse setzen. Im Interview spricht er über Werte, Führungsverantwortung und darüber, wie Nachwuchsförderung und Vernetzung die Zukunft des Verbandes prägen sollen.
Taekwondo Aktuell: Herr Könnecke, seit Jahrzehnten prägt Taekwondo Ihren Lebensweg. Wenn Sie all diese Erfahrungen verdichten: Was bedeutet Taekwondo heute für Sie?
Thomas Könnecke: Taekwondo hat sich für mich über die Jahre stetig weiterentwickelt. Am Anfang stand ein klarer Gedanke der Selbstverteidigung, ausgelöst durch persönliche Erfahrungen. Doch relativ schnell habe ich gemerkt, dass es um viel mehr geht. Ich war ein zurückhaltender Mensch. Durch das Training hat sich das Schritt für Schritt verändert. Wenn ich heute auf über 35 Jahre Taekwondo und 25 Jahre als Schulleiter zurückblicke, dann lässt sich das für mich auf einen zentralen Punkt bringen: nicht aufzugeben. Es geht darum, seinen Weg konsequent zu verfolgen, auch wenn es manchmal schwer ist. Taekwondo ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Diese Haltung prägt nicht nur das Training, sondern mein gesamtes Leben.
Taekwondo Aktuell: Gab es einen Moment in Ihrer Laufbahn, an dem Sie gespürt haben: „Jetzt verändert sich mein Taekwondo grundlegend“?
Thomas Könnecke: Ich glaube, diese Veränderungen passieren selten plötzlich, sondern eher schleichend. Am Anfang sind es kleine Fortschritte, eine Technik funktioniert besser, ein Kick wird sauberer. Das ist die erste Stufe. Dann kommt irgendwann Anerkennung von außen. In meiner Anfangszeit war ich nach einigen Jahren einer der höchsten Gürtelträger der Ottobrunner Schule. Das verändert die eigene Wahrnehmung.
Der entscheidende Schritt kam aber mit dem Unterrichten. Sobald man beginnt, Verantwortung für andere zu übernehmen, verändert sich der Blick auf Taekwondo grundlegend. Technik ist dann nicht mehr nur etwas, das man selbst ausführt, sondern etwas, das man vermitteln und vorleben muss. Mit der eigenen Schule wächst diese Verantwortung weiter. Und mit jeder zusätzlichen Aufgabe verschiebt sich der Fokus stärker vom „Ich“ hin zum „Wir“.
Taekwondo Aktuell: Sie betreiben mehrere Standorte im Raum Traunstein und Salzburg. Hat sich Ihre Rolle als Lehrer verändert?
Thomas Könnecke: Sehr stark sogar. Früher lag mein Fokus viel mehr auf der Vermittlung von Technik. Heute geht es mir vor allem um die Entwicklung der Menschen. Jeder Schüler bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit, und darauf einzugehen, ist entscheidend. Ich sehe mich heute mehr als Begleiter und weniger als reiner Vermittler. Es geht darum, Potenziale zu erkennen und Menschen persönlich und sportlich individuell zu fördern.
Taekwondo Aktuell: Der 6. Dan steht für mehr als Technik. Was unterscheidet für Sie einen hohen Dan-Träger von einem „guten Techniker“?
Thomas Könnecke: Bis zum 4. Dan steht die eigene Leistung im Mittelpunkt. Man zeigt, was man selbst gelernt hat. Ab dem 5. Dan verändert sich das grundlegend: Dann zeigt man, was man dem Taekwondo gegeben hat. Ein hoher Dan-Träger präsentiert seine Schüler, seine Schule und das, was er aufgebaut hat. Es geht um Weitergabe, Verantwortung und nachhaltige Entwicklung. Ein guter Techniker kann Bewegungen perfekt ausführen. Ein Großmeister entwickelt Menschen und Strukturen.
Taekwondo Aktuell: Lassen Sie uns auf Ihren Weg bis zum 6. Dan zurückblicken. Gab es prägende Stationen oder Personen?
Thomas Könnecke: Ja, definitiv. Eine der prägendsten Persönlichkeiten war Großmeister Kwon, Jae-Hwa. Er hat nicht nur technisch beeinflusst, sondern vor allem durch seine Haltung und Führungsstärke. Ich durfte über mehrere Jahre hinweg organisatorische Aufgaben für ihn übernehmen, was mir einen ganz neuen Blick auf Verantwortung gegeben hat. Aber ich bin natürlich auch meinem ersten Lehrer Franz Eberl sehr dankbar, der es geschafft hat, in mir die stetig brennende Flamme für das traditionelle Taekwondo zu entfachen. Auch Persönlichkeiten wie Hans Kaiser haben mich geprägt. Gerade in der Aufbauphase des Verbandes waren klare Führung und Erfahrung entscheidend. Von solchen Menschen lernt man nicht nur Taekwondo, sondern auch, wie man Strukturen schafft und weiterentwickelt.
Taekwondo Aktuell: Im November 2025 wurden Sie zum Vorsitzenden gewählt. Was hat Sie dazu bewogen?
Thomas Könnecke: Das war kein langfristig geplantes Ziel. Es hat sich aus der Entwicklung heraus ergeben. Nach dem Rückzug von Großmeister Kwon, Jae-Hwa musste Verantwortung im traditionellen Taekwondo neu verteilt werden. Daraus hat sich der TTC entwickelt, mit Hans Kaiser als erstem Vorsitzenden. Er war genau die richtige Person für die Anfangszeit. Ich habe mich für den Vorsitz im Verband bereit erklärt, weil mir Taekwondo unglaublich viel gegeben hat und ich etwas zurückgeben möchte. Der Verband ist nach wie vor noch jung und bietet viele Möglichkeiten, Dinge aktiv zu gestalten.
Ein ganz wichtiger Punkt ist für mich die Vernetzung innerhalb des Verbandes, insbesondere zwischen erfahrenen und jungen Schulleitern. Beide Gruppen haben unterschiedliche Perspektiven und Ziele und genau darin liegt eine große Chance. Ich sehe mich in erster Linie als Moderator für diese Menschen. Es geht darum, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen und eine gemeinsame Richtung zu finden. Gleichzeitig braucht es Impulse, um Entwicklungen anzustoßen.
Taekwondo Aktuell: Sie sprechen die Vernetzung an. Welche konkreten Maßnahmen planen Sie hier?
Thomas Könnecke: Ein zentrales Projekt ist ein großer offener Lehrgang am 11, und 12. Juli 2026 in Salzburg. Dieser Lehrgang ist bewusst verbandsunabhängig konzipiert. Jeder, der sich für traditionelles Taekwondo interessiert, kann teilnehmen. Dort werden natürlich alle Großmeister unterrichten, aber genauso wichtig ist der Austausch am Rand der Matte. Gerade Schulleiterinnen und Schulleiter haben im Alltag oft wenig Gelegenheit, sich miteinander auszutauschen. Solche Veranstaltungen schaffen Raum für Gespräche, neue Kontakte und gemeinsame Ideen. Besonders wichtig ist mir dabei die Verbindung zwischen den Generationen: erfahrene Schulleiterinnen und Schulleiter, die viel Wissen und Erfahrung mitbringen, und die junge Generation, die neue Impulse setzen. Wenn beide Gruppen enger zusammenarbeiten, entsteht eine starke Basis für die Zukunft.
Taekwondo Aktuell: Welche Rolle spielen junge Schulleiterinnen und Schulleiter und das Nationalteam in Ihrer Verbandsarbeit?
Thomas Könnecke: Sie sind ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Hier spielt das Nationalteam eine wichtige Rolle. Es bietet jungen, engagierten Taekwondo-Praktizierenden die Möglichkeit, sich zu vernetzen, gemeinsam zu trainieren und Erfahrungen zu sammeln. Ich habe das selbst erlebt: Ich war viel unterwegs, deutschlandweit und auch international, zum Beispiel in New York. Diese Erfahrungen prägen fachlich, aber auch menschlich enorm. Genau diese Möglichkeiten wollen wir heute gezielt fördern. Das Nationalteam schafft Verbindungen über Standorte hinweg. Durch diese Erfahrungen haben sich bereits in den letzten Jahren mehrere junge Menschen dazu entschlossen, den nächsten Schritt im Taekwondo zu gehen und haben eigene Schulen eröffnet. Das Nationalteam unterstützt somit junge Menschen, sich weiterzuentwickeln und ihren eigenen Weg zu finden. Das zahlt sich langfristig für den gesamten Verband aus.
Taekwondo Aktuell: Wo möchten Sie den Verband in Ihrer Amtszeit insgesamt hinführen?
Thomas Könnecke: Wir wollen auf dem bestehenden Fundament aufbauen und gleichzeitig moderner und transparenter werden. Ein wichtiger Schritt ist die bessere interne Kommunikation, etwa durch digitale Strukturen. Darüber hinaus setzen wir schon seit Beginn auf Qualitätssicherung, beispielsweise durch strukturierte Dan-Prüfungen und perspektivisch auch durch Übungsleiterscheine. Gleichzeitig denken wir stärker in größeren Zusammenhängen und möchten den Verband professionell weiterentwickeln. Im Kern geht es aber immer darum, Menschen zusammenzubringen und eine starke Gemeinschaft zu schaffen.
Taekwondo Aktuell: Eine starke Gemeinschaft baut man auch auf einem gemeinsamen Wertefundament auf. Welche Werte sind Ihnen im Taekwondo besonders wichtig?
Thomas Könnecke: Disziplin ist eine wichtige Grundlage, aber für mich steht Integrität im Mittelpunkt. Also, dass man das lebt, was man sagt. Ebenso wichtig ist mir, dass man unabhängig vom Leistungsniveau sein Bestes gibt. Taekwondo ist immer eine Gemeinschaft. Es sollte kein Gegeneinander geben, sondern ein Miteinander. Wenn andere besser sind, sollte das Ansporn sein und nicht Frust erzeugen. Diese Haltung ist mir im Unterricht besonders wichtig.
Taekwondo Aktuell: Wo sehen Sie die größte Herausforderung für das traditionelle Taekwondo heute?
Thomas Könnecke: Die größte Herausforderung ist es, Tradition und Moderne in Einklang zu bringen. Die Gesellschaft verändert sich, und damit auch die Erwartungen. Ein moderner Verband muss offen für neue Entwicklungen sein ohne dabei seine Werte zu verlieren. Wenn uns dieser Spagat gelingt, sehe ich eine sehr gute Zukunft für das traditionelle Taekwondo.
Das Interview führte Maximilian Metzner
Thomas Könnecke „in a nutshell“:
- Ihre Lieblingstechnik:
Ich habe keine einzelne Lieblingstechnik – ich liebe Taekwondo in seiner Gesamtheit. Besonders fasziniert mich, in Technikkombinationen intuitiv aufzugehen.
- Ihr imposantester Bruchtest:
Wahrscheinlich der Fingerspitzenstoß durch drei bis vier Ytongplatten.
- Wichtigste Aufgabe eines 6. Dan heute:
Verantwortung übernehmen und aktiv zur Weiterentwicklung des Taekwondo beitragen. Wenn erfahrene Danträger ihre Kräfte bündeln, ergeben sich große Chancen für die Zukunft.
- Persönliches Vorbild:
Die Ansichten von Hans-Ferdinand Hunkel in Bezug auf den Taekwondo-Verband sowie seine Menschlichkeit haben mich nachhaltig geprägt. Der Austausch mit ihm war für mich von besonderem Wert.
- Wichtigster Wert für Schüler:
Disziplin und Durchhaltevermögen sind entscheidend – besonders auf dem Weg zum Schwarzgurt. Erfolg haben nicht die Talentiertesten, sondern die, die trotz Rückschlägen dranbleiben.
- Rat an junge Dan-Anwärter:
Der erste Dan ist kein Ziel, sondern ein Anfang. Taekwondo sollte als lebenslanger Weg verstanden werden – nicht als kurzfristiger Erfolg.
BUs:
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Großmeister Kwon, Thomas Könnecke, Thomas Weiß, Hans-Ferdinand Hunkel
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Großmeister Kwon und Thomas Könnecke in Ottobrunn / München 1997
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Großmeister Kwon und Thomas Könnecke am 4.10.2025 in NYC beim koreanisch Essen
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Großmeister Kwon erklärt Hebeltechniken mit Thomas Könnecke in seiner Schule 5th Ave. NYC
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Offizielles Verbandstreffen des TTC e.V. am 6.10.2025 in NYC
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Thomas Könnecke 6.10.25 NYC
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Bruchtest Thomas Könnecke 1997 Ottobrunn / München
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Bruchtest Thomas Könnecke Traunreut 2003
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Schuleröffnung Traunreut Mai 2001 Großmeister Kwon und Thomas Könnecke
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Scheidender und neuer Vorsitzender des TTC e.V. am 25.11.2025 in Bad Tölz (Hans Kaiser und Thomas Könnecke)
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Thomas Könnecke Vorstandswahl TTC e.V. am 25.11.2025 in Bad Tölz
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Großmeisterrat und Vorstand des TTC e.V. am 25.11.2025 in Bad Tölz
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„60 Jahre Taekwon-Do in Europa“ am 27.10.2024 in München (Cirkus Krone Bau)
Thomas Könnecke und Hans Kaiser
Zirkus Krone 2024-124.jpg
„60 Jahre Taekwon-Do in Europa“ am 27.10.2024 in München (Cirkus Krone Bau)
Thomas Könnecke Ilbo-Taeryon
Bilder von Nadine Henning, Marko Pilz, Thomas Könnecke







