43rd year - The first Taekwondo-Magazine in the World!

43. Jahrgang - Das erste Taekwondomagazin der Welt!

World Taekwondo Hanmadang

Berliner Langnasen beim

World Taekwondo Hanmadang

Für alle, die mit dem Gedanken spielen, am Hanmadang teilzunehmen: Max Schumann berichtet von seinen Erlebnissen in Pyongtaek und gibt wertvolle Tipps.

Das World Taekwondo Hanmadang ist mit rund 4.600 Teilnehmern aus 62 Nationen, die sich innerhalb von fünf Tagen in verschiedenen Wettbewerben messen, eines der größten Taekwondo-Ereignisse der Welt. Im August 2015 waren die vier Berliner Taekwondoin Conny, Christin, Max und Patrick von Perfect Taekwondo e.V. Teil dieses Riesen-Events in Korea, dem Heimatland des Taekwondo. Tausende Kilometer vom heimischen Dojang entfernt, gab es viele Erlebnisse und Eindrücke, die wir gerne mit Ihnen teilen möchten. Diese Reise durch unsere Eindrücke beginnt jedoch im besagten heimischen Dojang: Am Anfang stand die Idee, eine Kultur-, Bildungs- und Trainingsreise nach Korea zu unternehmen, um die Ursprünge des Taekwondo näher kennenzulernen. Hierbei kamen zwei entscheidende Impulse zusammen: Zum einen hatten Max und Patrick schon lange den Traum, nach Korea zu reisen, da das Taekwondo seit 20 Jahren ein wichtiger Lebensinhalt für sie war. Zum anderen kam die frische Begeisterung von Conny und Christin dazu, die diese Kampfkunst erst ein paar Jahre betreiben. Beide Antriebe flossen zusammen und wirkten auf das eine Ziel hin, dieses Vorhaben nun endlich zu verwirklichen. Zu siebt machten wir uns an die Planung einer vierwöchigen Reise nach Korea. Alle Aspekte der Reise wurden von uns selbst organisiert. Dabei wurden wir von einem Vereinsmitglied darauf aufmerksam gemacht, dass in unserem angedachten Reisezeitraum das World Taekwondo Hanmadang stattfinden würde. Wir wussten selber zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel von dieser Veranstaltung und machten uns an die Recherche. Relativ schnell fassten wir den Entschluss, unsere Reise mit der Teilnahme am Hanmadang zu ergänzen, um auf unsere Erkundungstour die Neugier nach einer Turnierteilnahme in Korea zu befriedigen.

Conny und Christin
Conny und Christin

Die Qual der Wahl

Leider konnten nicht alle Mitreisenden zu diesem Zeitpunkt nach Korea fliegen, sodass drei Personen erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Reise dazu stießen. Die vier potenziellen Starter hatten im Vorfeld jedoch die Anmeldung zum Hanmadang zu meistern. Hierbei mussten zuallererst die Teilnahmekategorien ausgewählt werden. Es gab eine riesige Auswahl an Wettbewerben, die man so aus Deutschland kaum kennt: Kraftbruchtests, die nach verschiedenen Körperteilen unterschieden wurden, Bruchtestvorführungen von bis zu einer Minuten, Hochsprung-, Weitsprung- und Geschwindigkeitsbruchtests, verschiedene Formenlaufkategorien, Taekwondo Aerobic oder Showwettbewerbe standen beispielsweise zur Auswahl. Alles auszuprobieren war jedoch nicht möglich. Man konnte nur aneiner begrenzten Anzahl von Wettbewerben teilnehmen. Es galt somit, sich zu entscheiden. Die sehr viele Seiten umfassende Ausschreibung in englischer Sprache wurde durchgearbeitet, um mehr über die Wettbewerbe zu erfahren. Letzten Endes entschieden wir uns für die Teilnahme am Wettbewerb im Weitsprungbruchtest. Hierbei musste ein Brett in 1,70 MeterHöhe nach dem Überspringen von zwei Hindernissen (40 und 70 Zentimeter hoch) in einem bestimmten Abstand (der Abstand wurde nach jedem Durchgang um 10 Zentimeter gesteigert) zertreten werden.

 

Los geht’s!

Nachdem die Entscheidung für eine Wettkampfkategorie gefallen war, mussten wir uns nur noch online mit Bild und Kukkiwon-Dannummer registrieren. Die Teilnahmegebühr war unfassbar günstig. 20 Dollar Teilnahmegebühr beinhalteten neben der Teilnahme an den Wettkämpfen sowie dem Eintritt an allen Veranstaltungstagen auch eine Unterbringung in einem Hotel mit Transportservice zur Arena sowie Frühstück an allen Veranstaltungstagen. Leider war im Vorfeld nicht ganz klar, ob dieses Hotel selbst gebucht werden soll und Kosten übernommen werden oder ob man einem Hotel zugewiesen wird. Letzteres war der Fall und wir mussten mit Hilfe der koreanischen Veranstalter vor Ort unser vorher gebuchtes Hotel stornieren. Bis auf diese Kleinigkeit war aber alles sehr gut organisiert. Per Busshuttle wurde man entweder vom Flughafen oder dem Kukkiwon in Seoul (das war mit der Registratur anzugeben) zur Veranstaltungshalle in Pyeongtaek gefahren. Die Registratur dort verlief problemlos und schnell, da vor Ort keine weiteren Überprüfungen stattfanden. Alle Teams bekamen einen Beutel mit Startkarten sowie verschiedenen kleinen Geschenken, wie T-Shirts, Dokumententaschen und Medaillen. Interessanterweise bekamen wir gleich mehrere Karten zur Kennzeichnung als Teilnehmer, Coach oder Offizielle.

Hilfsbereitschaft allenthalben

Die Helfer vor Ort waren alle extrem höflich und hilfsbereit und bemühten sich sehr stark um Hilfe, auch bei Problemen, die nicht das Turnier betrafen, in unserem Fall also die Organisation der weiteren Reise nach dem Turnier. Genauso war es auch im Hotel, in das man nach der Registratur gefahren wurde. Es befand sich einige Autominuten von der Veranstaltungshalle entfernt. Im gut ausgestatteten Hotel traf man sogleich auf weitere Teilnehmer aus Deutschland, zum Beispiel auch eine Delegation der DTU (mit unter anderem Sibylle Maier, Christian Senft, Michael Bußmann, Cetin Bozkurt, Soo-Nam Park und Kai Müller). Auf der einen Seite war es schön, andere Taekwondo-Begeisterte aus Deutschland zu treffen, auf der anderen Seite war es natürlich schade, dass dadurch weniger internationale Kontakte zustande kamen. Die meiste Zeit verbrachte man aber ohnehin in der Veranstaltungshalle. Nachdem dem morgendlichen Frühstück, bei dem es eine Auswahl von Reis und Sushi, über Würstchen, bis hin zu Toast mit Marmelade (aber ohne Messer zum bestreichen) gab, wurde man zur Veranstaltung gefahren.

 

Eine Klasse für sich

Das Veranstaltungsgelände bestand aus einer großen Arena mit drei großen Wettbewerbsflächen und Zuschauerrängen, einem Essenszelt, einem Zelt für weitere Wettbewerbe und verschiedenen Verkaufsständen im Außenbereich. Der erste Tag startete bereits mit den ersten Wettbewerben der Koreaner, die getrennt von den internationalen Gästen bewertet wurden. Man hat auch sogleich gesehen warum dies vorgesehen war: Die koreanischen Teams, welche in zahlreicher Konkurrenz standen (um die 100 Starter pro Kategorie), zeigten Leistungen zum Staunen und Begeistern. Man hatte das Gefühl sie könnten fliegen. Sprunghöhen und Geschwindigkeiten fast aller koreanischen Teilnehmer kamen uns fast übermenschlich vor. Eine Schippe drauf legen konnte dann nur noch das Kukkiwon-Demoteam. Bei dessn Auftritt, kurz vor der offiziellen Eröffnung mit Fahneneinlauf aller teilnehmenden Nationen und verschiedenen Reden, bebte die Halle. Diese verblüffenden Eindrücke konnte man im Anschluss bei einem reichhaltigen und köstlichen Buffet am Abend (wohlgemerkt in den 20 Dollar Startgebühr enthalten) verdauen, bevor es zurück ins Hotel ging.

Es wird spannend

Am zweiten Wettkampftag stand auch unser Wettbewerb an. Wir meldeten uns bei der Registratur und wurden in einen Aufwärmbereich geführt. Von dort aus ging es in den Calling Room, in dem wir auf unseren Start warteten. Die Nervosität stieg, da wir in dieser Form des Wettbewerbs noch keine Erfahrung hatten und unsere Leistung nur schwer einschätzen konnten. Große Ambitionen hatten wir jedoch auch nicht. Bei unserer Teilnahme ging es uns mehr um das Gesamterlebnis als um einen Sieg. Trotzdem wollten wir natürlich eine gute Leistung bringen und uns neben den vielen deutlich größeren Teilnehmern, die wir im Calling Room trafen, gut präsentieren. Im Anschluss an den Calling Room ging es in die Halle, um den Wettkampf zu bestreiten. Man durfte nicht einmal die Anlage ausprobieren und musste die ganze Zeit im Schneidersitz verharrend auf seinen Start warten, wodurch man sich nicht unbedingt besser vorbereitet fühlte. In festgelegter Reihenfolge mit festgelegten Sprungweiten ging der Wettbewerb los. Nachdem die ersten Runden überstanden waren und schon einige Teilnehmer ausgeschieden, stieg die Sicherheit. Für eine Medaille hat es trotzdem nicht gereicht. Aber immerhin erreichte Max den 10. und Patrick den 5. Platz.

Patrick_und_Max
Patrick und Max

Taekwondo verbindet

An den folgenden Tagen konnte man weiterhin um gute Sitzplätze in der Arena streiten und die grandiosen Leistungen vieler Teilnehmer, unter anderem von Poomsaeweltmeistern bestaunen, die von den Koreanern äußert enthusiastisch angefeuert wurden. Dies trieb auch die koreanischen Kinderteams zu unfassbar hochwertigen Vorführungen. Darüber hinaus nahmen wir an einer vom Veranstalter kostenlos angebotenen Sightseeingtour durch Pyeontaek teil, bei der viele interessante Dinge zu erfahren waren, zum Beispiel dass auch die Koreaner zum Teil Schwierigkeiten mit der Hitze zu dieser Jahreszeit haben. Die Verkäufer an den Ständen vor der Halle machten allerdings nicht diesen Eindruck. Mit ihnen kam man sehr gut ins Gespräch. Mit den koreanischen Sportlern war dies etwas schwieriger, da die Sprachbarriere hier nur sehr schwer zu überbrücken war. Die meisten sprachen nur wenig Englisch. Der Kontakt zu anderen internationalen Startern war jedoch problemlos und hochinteressant. Dieser Austausch mit anderen Kulturen ist auch das, was wir am meisten vom Hanmadang mitnehmen. Das Gesamtereignis, an einem mehrtägigen Wettkampf mit Sportlern aus der ganzen Welt, die zusammenkommen, um gemeinsam die Vielseitigkeit des Taekwondo zu erleben, teilzunehmen und dabei Menschen verschiedener Kulturen über den Sport kennenzulernen, war eine besondere Erfahrung. Wir können uns vorstellen nochmals an einem Hanmadang teilzunehmen, auch wenn es nicht gleich 2016 der Fall sein wird.

Guter Rat für Hanmadang-Besucher

Sollten dies andere vorhaben, würden wir gerne noch einige Tipps mitgeben: Kümmert Euch rechtzeitig um eure Reiseplanung und die Registratur. Seid Ihr erstmal registriert und am richtigen Ort, um in Korea zur Veranstaltungshalle gebracht zu werden, läuft fast alles von allein. Die Organisatoren haben alles vorgeplant und die Helfer vor Ort sind sehr engagiert und hilfsbereit, so dass fast nichts schief gehen kann. Im Vorhinein sollte man sich am besten Videos vergangener Hanmadangs angucken, um eine Vorstellung von den Wettbewerben zu bekommen. So kann man sich besser für einen Wettbewerb entscheiden und dafür trainieren. Wir würden immer einen der besonderen Wettbewerbe nehmen, die es so nicht so oft in Deutschland oder Europa gibt, um der Besonderheit der Veranstaltung gerecht zu werden. Das wäre auch unser letzter Tipp: Genießt das Ereignis und seid offen.

Max Schumann

 

Info:Das World Taekwondo Hanmadang 2016 findet vom 03. August bis 06. August 2016 in Seoul / Korea statt. Info und Anmeldung unter: www.kukkiwon.or.kr/hanmadang/eng/main.jsp

 

 

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