43rd year - The first Taekwondo-Magazine in the World!

43. Jahrgang - Das erste Taekwondomagazin der Welt!

Ein Tag, der olympische Geschichte schreibt

Am zweiten Tag der olympischen Taekwondowettbewerbe wurde Sportgeschichte geschrieben – und das gleich zweimal: Taekwondo sorgte dafür, dass Jordanien seine historische erste Olympiamedaille gewann. Es war außerdem dafür verantwortlich, dass Iran seine erste Olympiamedaille bei den Damen verbuchen konnte.

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Jade Jones, zweifache Olympiasiegerin

Die Damenklasse – 57 kg stand im Zeichen der jahrelangen Rivalität zwischen der Britin Jade Jones, Setznummer 1 sowie Titelverteidigerin, und ihrer Dauerkonkurrentin Eva Calvo Gomez, Setznummer 2 aus Spanien. Und tatsächlich, beide Athletinnen kämpften sich durch die Vorrunden, um ihren epischen Wettstreit auf dem Gipfel des Taekwondosports fortzusetzen: Im Finale der olympischen Spiele

Die Herrenklasse – 68 kg wurde auch als „Krieg der Stars“ angekündigt – fanden sich hier doch einige der bekanntesten Taekwondo-Athleten. Nachdem sich die Spannung der Vorrunden gelegt hatte, standen sich im Finale Alexey Denisenko, Setznummer 4 und Bronzemedaillist von 2012 aus Russland und Ahamd Abughaush aus Jordanien gegenüber. Während Denisenko allgemein als Titelanwärter galt, war Abughaush eine überwältigende Überraschung: Der Mann mit der Setznummer 10 hatte sich den Weg durch seine Gewichtsklasse mit einem spektakulären, unorthodoxen und sehenswerten Kampfstil geebnet.

Damen – 57 kg

Gold : Jade Jones (GBR)
Silber: Eva Calvo (ESP)
Bronze: Alizadeh Zenoorin Kimia (IRI)
Bronze: Wahba Hedaya (EGY)

 

Erbitterte Rivalinnen: Eva Calvo und Jade Jones
Erbitterte Rivalinnen: Eva Calvo und Jade Jones

Das war es nun: Das Finale, das die Fans sehen wollten: Jade Jones gegen Eva Calvo Gomez. Diese beiden kannten sich gut. Jade Jones wirkte kampflustiger aus, bearbeitete die größere Spanierin mit ihrem bekannten Seitkick und ging mit einem Kopftreffer in Führung, Sekunden später folgte ein zweiter – da half es auch nicht, dass der spanische Coach Videoreplay verlangte. Calvo Gomez startete die zweite Runde schnell und sicherte sich zwei Punkte durch Körpertreffer, aber Jones schoss zurück – es stand 7 : 2. Die Spanierin holte einen weiteren Punkt, landete einen Kopftreffer: 7 : 6. In der dritten Runde sammelten beide Sportlerinnen Punkte aber Jones blieb immer vorn. Die Kämpferin aus Wales machte einen weiteren Kopftreffer, dann noch einen und baute ihre Führung zum 15 : 7 aus. Sie machte einen vermeintlichen Treffer zum Gesicht – aber das Videoreplay war anderer Meinung. Trotzdem machte sie noch einen Punkt und beendete den Kampf klar mit 16 : 7. Mit ihrem zweiten Olympiagold gesichert sprang Jones von der Matte und zerrte ihren Coach, Paul Green, aufs Podest. Sie drehte die Ehrenrunde mit der britischen und walisischen Flagge.

„Ich weiß dass ich die beste bin, aber im Taekwondo kann alles passieren“, meinte Jones, auch im Hinblick auf die Überraschungen des ersten Wettkampftags. „Der Sieg fühlt sich surreal an – nach London, das war kein Zufall!“ Jones erklärte, dass der Weg nach Rio härter war, als nach London, denn „2012 war ich praktisch noch ein Kind“. Nach ihren Zukunftsplänen befragt – was macht man, wenn man zwei olympische Goldmedaillen gewonnen hat? – gab sie zu, dass sie eine Pause braucht, aber fügte an „ich bin nur 23 – und Taekwondo ist mein Leben.“

Im ersten Kampf um Bronze traf Raheleh Asemani (Belgien) auf die Ägypterin Hedaya Wahaba. Asemanis Weg nach Rio war härter, als bei den meisten Sportlern: Sie hatte ihr Geburtsland Iran verlassen und in Belgien Asyl gesucht, wo sie auch die Staatsbürgerschaft erhielt. Beide Athletinnen waren sich ebenbürtig und trotz vieler Aktionen endeten alle drei Runden mit einem leeren Scoreboard. Wahaba beendete den Kampf mit einem Drehkick zum Körper und einem Radschlag auf der Kampffläche aus Freude.

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Alidadeh Zenoorin holt die erste Olympiamedaille – in allen Sportarten – für die iranischen Damen

Das zweite Bronzematch bestritten Alizadeh Zenoorin (Iran) und Nikita Glasnovic (Schweden). Die Iranerin machte früh ihre Führung klar und baute sie mit einem Kopftreffer aus, der das Publikum in Begeisterung versetzte. Die Schwedin feuerte viele Kicks ab, konnte aber den richtigen Abstand nicht finden und Alizadeh Zenoorin – vom Publikum in den letzten Sekunden mit einem Countdown unterstütz – gewann einen recht einseitigen Kampf. Sie küsste die Kampffläche, umarmte ihren Coach und ließ sich dann zusammen mit den Zuschauern fotografieren.Siegerehrung_Damen

Herren – 68 kg

Gold: Ahmad Abughaush (JOR)
Silber: Alexey Denisenko (RUS)
Bronze: Joel Gonzalez Bonilla (ESP)
Bronze: Lee Dae-Hoon Dae-Hoon (KOR)

 

3nd session (18.08.2016)-48
Finale Herren bis 68 kg

Das Finale zwischen dem Russen Alexey Denisenko und dem Jordanier Ahmad Abughaush versprach ein Match der unterschiedlichen Kampfstile zu werden. Es begann mit hohem Tempo, Abughaush jagte mit einem Gewitter von Drehkicks über die Matte, während Denisenko schlau konterte. Beide Kämpfer kamen dann zur Ruhe, und die erste Runde endete – 0 : 0. In Runde 2 ging der Jordanier mit einem Punkt in Führung – Denisenko erhöhte den Druck und wollte Abughaush von der Matte drängen. Doch da kam dessen Beinarbeit ins Spiel und er entkam indem er Denisenko geradezu umkreiste. Der Russe versuchte einen Sprungkick – ohne Erfolg. Die Runde endete 1 : 0 für Jordanien. In der dritten Runde ging es mit zwei Punkten für Abughaush weiter. Ein fast unmöglicher gesprungener Drehkick, der so in keinem Taekwondo-Textbuch steht, brachte das 7 : 2 gefolgt vom 10 : 2. In den letzten 32 Sekunden griff Denisenko  an, versuchte seinen Gegner von der Matte zu jagen, was ihm kurzzeitig auch gelang. Trotzdem endete das Match 10 : 6 für Jordanien – ein historischer Sieg. Während Abughaush seinen Coach umarmte, rastete die jordanische Delegation aus.

Ahmad Abughaush und sein Coach nach dem historischen Sieg
Ahmad Abughaush und sein Coach nach dem historischen Sieg

„Es war unglaublich, die erste Olympiamedaille in der Geschichte Jordaniens zu gewinnen“, sagte Abughaush, der die Pressekonferenz verspätet begann, da er einen Anruf der königlichen Familie erhielt. „Es war großartig, die jordanische Nationalhymne vor der ganzen Welt zu hören.“

Nach seinem unorthodoxen Stil befragt sagte er: „Ich hatte einen Plan für jeden Kampf, aber bestimmte Kicks waren auch improvisiert – sie kamen einfach in dem Moment“.

Der erste Kampf um Bronze fand zwischen Joel Gonzalez Bonilla (Spanien) gegen Edgar Contreras (Venezuela) statt. Contreras hatte zuvor im Trostrundenmatch den amtierenden Olympiasieger und Mitfavoriten Servet Tazegül geschlagen. Auch der Spanier war Goldmedaillist von 2012, wenn auch in der niedrigeren Gewichtsklasse. Runde 1 endete unentschieden. Gonzales Bonilla punktete in der zweiten, aber Contreras glich fast sofort aus. Der Kampf wurde hitzig, als der Spanier zum Kopf traf, Contreras erwiderte das Feuer – doch am Ende stand es 4: 3 für Gonzalez Bonilla der Bronze  mitnahm.

Kampf um Platz drei zwischen Daehoon Lee und Jaouad Achab
Kampf um Platz drei zwischen Daehoon Lee und Jaouad Achab

Das zweite Bronzematch war ein Knüller, mit Jaouab Achab, Setznummer 1 aus Belgien, und Daehoon Lee, Setznummer 2 aus Korea, im Rennen. Achab sah gefährlicher aus, begann mit einer dreifachen Drehkick-Kombi und machte drei Punkte durch einen gedrehten Kopftreffer. Doch Lee konterte scheinbar aus dem Nichts mit einem eigenen Kopftreffer und ging mit einem Körpertreffer in Führung, bevor Lee zum 4 : 4 ausglich. In Runde drei musste die Entscheidung fallen: Die Kämpfer gaben sich die Hand – und los ging‘s: Belgien machte einen Punkt, Lee mit Axtkick und Kopftreffer gleich 5 – es stand 10 : 5 für Korea. Achab gab noch einmal alles, aber Bronze ging mit 11 : 4 nach Korea. Auch wenn es nur einen Sieger gibt: es war ein Kampf, der beiden Sportlern Ehre macht.

Fotos: World Taekwondo Federation

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