42nd year - The first Taekwondo-Magazine in the World!

42. Jahrgang - Das erste Taekwondomagazin der Welt!

Ausbildung und Studium contra Sport

Natürlich gibt es viele Gründe dafür, dass diejenigen, die einst begeistert mit dem Kampfsport anfingen, früher oder später leise „Adieu“ sagen …

Dabei sind die Pubertät und die erste große Liebe (es sei denn, er oder sie betreibt ebenfalls Taekwondo) ein schwerer Prüfstein für viele Vereine und Studios, da nun plötzlich andere Prioritäten gesetzt werden. Damit kann es schwer fallen, jene, die anfangs begeistert von der Kindergruppe zu den Jugendlichen und Erwachsenen gewechselt sind, dauerhaft für das Training oder gar Wettkämpfe (die nun mal viel Zeit und Vorbereitung erfordern) zu binden:

Der schulische Stress wächst!

Die Ausbildung kann ebenfalls dazu führen, dass wir Mitglieder verlieren – auch jene, die eigentlich gerne weiter ins Taekwondo kämen. Denn vor allem in den Gymnasien und weiterführenden Schulen sind die Anforderungen und der Termindruck heute enorm. Dabei macht insbesondere G 8 den Vereinen und Trainern zu schaffen – allen voran den Ballsportvereinen, die nun mal in Mannschaftsstärke auftreten müssen und nun oftmals zu wenige Spieler auf dem Feld haben.

Hier sind wir, im Kampfsport, zum Glück weniger betroffen, da es bei uns kaum eine Rolle spielt, ob in einer bis dato eingeschworenen Jugendgruppe einmal das ein oder andere Gesicht fehlt. Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass die Doppelbelastung – Sport und Schule – heute nicht nur jenen zu schaffen macht, die Wettkämpfe bestreiten (wollen) oder gar im Leistungssport aktiv sind. Denn auch Breitensportler leiden unter ihrem Termindruck.

Viele glauben daher, dass das Turbo-Abi seinen Preis hat. Darunter  einen größeren Leistungs- und Zeitdruck, der dazu führt, dass manch` Sporteinheit oder geselliges Beisammensein, das früheren Schülern noch selbstverständlich war, für die heutige (Schüler)Generation unerreichbar scheint.

 

Vielen jungen Menschen fällt, aufgrund des Leistungsdrucks in Schule, Ausbildung und Beruf, das Sporttreiben heute schwer.

Die Liebe zum Sport bleibt:

Dabei hat der Deutsche Olympische Sportbund bereits vor einigen Jahren festgestellt, dass Sport auch bei den Schülerinnen und Schülern, die in der verkürzten gymnasialen Oberstufe auf dem Weg zum Abitur sind, nach wie vor einen hohen Stellenwert besitzt. Dennoch sei unverkennbar, dass moderne Schüler zumindest den selbst organisierten Sport reduzieren, um so die durch die höhere Schulbelastung fehlende Zeit wieder auszugleichen!

 

 

Wird mit dem Studium alles besser?

Doch wie sieht es im Studium aus, wenn bereits den Gymnasiasten die Zeit um Freunde zu treffen, mehr Sport zu treiben oder auch ehrenamtlich aktiv zu sein, knapp wird?

Nun, offenbar sind auch die Studierende in Deutschland – und das sogar überdurchschnittlich – gestresst. Das jedenfalls ergab eine repräsentative Online-Befragung des Lehrstuhls für Marketing der Universität Potsdam sowie des Lehrstuhls für Marketing und Business Development der Universität Hohenheim. Dabei wurden mehr als 18.000 Hochschüler befragt. Mit durchaus ernüchterndem Ergebnis, wie der AOK-Bundesverband, der die Erhebung in Auftrag gab, nun erklärt hat.

Mens sana in corpore sano: Wer viel lernt, sollte auch Ausgleich und Bewegung haben. Schließlich wussten bereits die alten Römer, dass vor allem in einem gesunden und vitalen Körper ein wacher Geist wohnt!

Demnach leiden insbesondere weibliche Studierende unter den Anforderungen. Zudem scheint man(n), bzw. Frau, an den staatlichen Universitäten gestresster als an privaten Hochschulen zu sein. Auch fühlen sich Bachelorstudenten stärker belastet als Studierende anderer Abschlussarten.

Dazu Studienleiterin Prof. Dr. Uta Herbst von der Universität zu Potsdam: „Es ist vor allem der Stress, der durch Zeit- und Leistungsdruck sowie die Angst vor Überforderung entsteht, der Studierenden das Leben schwer macht. 53 Prozent geben ein hohes Stresslevel an, damit rangieren sie sogar vor anderen Bevölkerungsgruppen!“

Tatsächlich bezifferte eine Umfrage aus dem Jahr 2015 den Anteil der in der Arbeitswelt Beschäftigten mit hohem Stresslevel lediglich mit 50 Prozent – also immer noch hoch, jedoch knapp unter der Zahl der gestressten Studenten. Ein Grund für dieses hohe Belastungsgefühl der Studierenden sieht Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim in den Folgen der so genannten Bologna-Reform. Dabei hatten sich im Jahr 1999 insgesamt 29 europäische Staaten auf die Schaffung eines einheitlichen Hochschulraumes verständigt. Dies hatte unter anderem eine stärkere Reglementierung und eine erhöhte Prüfungsbelastung zur Folge.

Fazit:

Was bleibt, ist die ernüchternde Erkenntnis, dass Schule, Ausbildung und Studium sicherlich wichtig, heute vielleicht sogar wichtiger denn je sind. Doch darunter darf dann die Lebensqualität nicht leiden und muss immer noch ausreichend Zeit für Freizeit und sportliche Aktivität bleiben.

Schließlich wissen wir auch, dass viele Zivilisationskrankheiten, die durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel begünstigt werden, heute auf dem Vormarsch sind. Damit scheint eine Balance aus Studium und schulischem Lernen (das nun mal meistens sitzend erfolgt) auf der einen sowie körperlicher Beanspruchung auf der anderen Seite zwingend nötig und müsste wieder forciert werden.

Text und Fotos: Peter Hoffmann