43rd year - The first Taekwondo-Magazine in the World!

43. Jahrgang - Das erste Taekwondomagazin der Welt!

Manchester 2019 World Taekwondo Championships / 17. Mai: Schockierendes Finale

Gastnation Großbritannien konnte sich am dritten Wettkampftag über zwei Finalsiege freuen – wobei einer davon hochumstritten war. Korea erweiterte seine Medaillensammlung bei dieser WM um ein weiteres Gold.

Damen + 73 kg

Es gibt Kämpfe, die bleiben in Erinnerung – das Finale von Bianca Walkden (Großbritannien) gegen Shuyin Zheng (China) gehört definitiv dazu. Eigentlich sollte dieses Match der zweifachen – seit heute dreifachen – Weltmeisterin aus England gegen die amtierende Olympiasiegerin ein absolutes Highlight dieser WM werden – insbesondere für die Zuschauer vor Ort. Doch die Britin lag zum Ende der zweite Runde mit 6 : 16 Punkten im Rückstand und es gab kein Anzeichen dafür, dass sich im weiteren Kampfverlauf an dieser Tendenz noch etwas ändern sollte. Walkden griff deshalb zu einem verzweifelten Mittel und schob ihre Gegnerin mit fast brachialer Gewalt so oft von der Kampffläche, bis diese 10 Minuspunkte vom Kampfleiter erhalten hatte und disqualifiziert wurde. Aus Sportlersicht eine legitime Taktik, das Verhalten des Kampfleiters aber ist fragwürdig. Shuyin Zheng war in Tränen aufgelöst und brach auf dem Siegerpodest zusammen, die britische Weltmeisterin wusste nicht recht, wie sie sich in dieser peinlichen Situation verhalten sollte, und weinte ebenfalls, das Publikum buhte. Eine nahezu traumatische Szene für jeden Fan, die ein Nachspiel haben könnte – die chinesische Teamleitung hat angekündigt Beschwerde einzulegen.

Damen + 73 kg – die Platzierungen
1 Bianca Walkden (Großbritannien)
2 Shuyin Zheng (China)
3 Briseida Acosta (Mexiko)
3 Doris Pole (Kroatien)

Finale Herren bis 54 kg

Das Finale Jun-Seo Bae (Korea) gegen Georgy Popov (Russland) endete mit rekordverdächtigen 53 : 24 Punkten für den Koreaner. Der Punktestand ist ungewöhnlich für ein WM-Finale und nur möglich, weil die 20-Punkte-Regel, die besagt dass ein Kampf endet, wenn die Punktedifferenz in der dritten Runde 20 Punkte beträgt, im Semifinale und Finale nicht greift. Ob dem Sport damit ein Gefallen getan wird, ist fraglich. Die Goldmedaille von Bae ist bereits die vierte für Korea bei dieser WM und bringt das Heimatland des Taekwondo seinem erklärten Ziel, die Spitze der Mannschaftswertung zu verteidigen, wieder einen Schritt näher.

Herren bis 54 kg – die Platzierungen
1 Jun-Seo Bae (Korea)
2 Georgy Popov (Russland)
3 Paulo Melo (Brasilien)
4 Amin Hadipour Seighalani (Iran)

Finale Herren bis 68 kg

Nach dem Schock des ersten „britischen“ Finales an diesem Abend war der Schlusskampf zwischen Bradly Sinden (Großbritannien) und Javier Perez Polo (Spanien) dazu angetan, das Publikum zu versöhnen. Beide Kontrahenten zeigten reihenweise tolle Techniken und Kampfgeist. Am Ende konnte Sinden den Kampf mit 24 : 21 Punkten für sich entscheiden. Damit ist er der erste männliche Weltmeister aus dem Gastland. Im anschließenden Interview zeigte sich der 22-jährige als absoluter Sympathieträger, der sich mit großer Dankbarkeit über seine Trainer, Unterstützer und Fans äußerte.

Herren bis 68 kg – die Platzierungen
1 Bradly Sinden (Großbritannien)
2 Javier Perez Polo (Spanien)
3 Dae-Hoon Lee (Korea)
3 Alexey Denisenko (Russland)

Neben den Finales wurden folgenden Klassen jeweils bis zum Halbfinale ausgetragen. Resultate im Überblick:

Halbfinale Damen bis 49 kg

Panipak Wongpattanakit (Thailand) gehört zu den Sportlerinnen, die eigentlich in ihren 30ern sein müssten – so viele Erfolge hat sie bereits zu verzeichnen, darunter Weltmeisterin 2015, Vizeweltmeisterin 2017 und Bronze bei Olympia 2016. Doch die Weltranglisten-Erste ist gerade einmal 21 Jahre alt und in Topform. Das zeigte sie eindrucksvoll im Halbfinale gegen  Rukiye Yildirim (Türkei). Die dreifache Europameisterin nahm bereits an sechs WMs teil, bei denen sie bisher aber “nur” Bronze gewann. Diese Bilanz konnte sie auch in Manchester nicht verbessern, Yildirim musste sich Wongpattanakit mit 14 : 25 Punkten beugen.

Dass Wu „Super-Kicker“ Jingyu (China) bei dieser WM startete, ist eine Story für sich. Die zweifache Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin (davon zweimal bei den Senioren) hatte sich nach den Olympischen Spielen 2016 eigentlich schon zurück gezogen und eine Familie gegründet. Doch dann entschied sie sich für ein Comeback – mit 32 Jahren. Ihr Ziel ist eine Olympiamedaille in Tokio und aus ihrer Performance im Halbfinale in Manchester zu schließen, ist das nicht unmöglich. Das Match gegen Kristina Tomic (Kroatien) – Europameisterin 2018, Bronzemedaillistin von Muju 2018 und 11 Jahre jünger als Wu – gestaltete sich über weite Strecken wie der Kampf der Katze mit der Maus. Was Tomic auch anstellte, Wu punktete. 27 : 8 Punkte stand es bereits nach Runde 2. In der dritten Runde passierte dementsprechend nicht mehr allzu viel und Wu brachte den Sieg mit 30 : 12 Punkten sicher heim.

Finale Damen bis 49 kg (am 18. Mai):
Panipak Wongpattanakit (Thailand) – Wu Jingyu (China)
Bronzemedaillen:
Rukiye Yildirim (Türkei) und Kristina Tomic (Kroatien)

Halbfinale Damen bis 57 kg

Für viele Fans ist es überraschend, dass die britische Über-Fighterin Jade Jones noch keinen WM-Titel besitzt. Doch sie bestritt in Manchester ihre fünfte WM-Teilnahme bei den Senioren und konnte zuvor nur Bronze und Silber verbuchen. Bei der Heim-WM soll es ihr endlich gelingen, den Fluch zu brechen. Dafür schuf sie im Halbfinale gegen die kanadische Jugendweltmeisterin und Pan Am Meisterin Skylar Park (Kanada) beste Voraussetzungen. Nach einer verkrampften ersten Runde zeigte sich Jones in Runde zwei deutlich explosiver, musste aber auch gleich einen Kopftreffer von Park einstecken. Danach blieb der Kampf sehr eng, in Runde drei stand es gefühlte Minuten lang 7:7 – Golden Point Feeling. Vom Publikum mit Riesenjubel quittiert ging Jones endlich mit 9:7 in Führung und sicherte sich ihren Einzug ins Finale mit 16 : 12 Punkten.

Auf der anderen Seite des Pools stand Titelverteidigerin Ah-Reum Lee (Korea) der chinesischen Jugendweltmeisterin von 2016 und amtierenden Asienmeisterin Lijun Zhou gegenüber. Mit 15 : 12 Punkten entschied die Koreanerin den Kampf relativ knapp für sich.

Finale Damen bis 57 kg (am 18. Mai):
Jade Jones (Großbritannien) – Ah-Reum Lee (Korea)
Bronzemedaillen:
Lijun Zhou (China) und Skylar Park (Kanada)

Halbfinale Herren bis 74 kg

Das Halbfinale hatte so vermutlich niemand vorhergesehen: Simone Alessio (Italien), Jugendeuropameister von 2017, traf auf Daniel Quesada Barrera (Spanien) der zwar Kadetten und Junioren Europameister sowie Jugendweltmeister ist, aber noch kein großen Titel bei den Senioren hat. Was auf den ersten Blick auffiel, war der Größenunterschied: Alessio überragte den Spanier fast um Kopfeslänge. Seinen Reichweitenvorteil nutze der Italiener gut. Obwohl ihm Barrera immer wieder gefährlich nahe kam, machte Alessio den Finaleinzug mit 18 : 10 Punkten klar.

Auf der anderen Seite des Pools kam mit Ahmad Abughaush (Jordanien), dem Olympiasieger von 2016, ein Favorit ins Halbfinale. Obwohl Abughaush für die WM in eine höhere Gewichtsklasse wechselte – immer ein Risiko – konnte ihm sein Gegner Kairat Sarymsakov (Kasachstan) nicht gefährlich werden. Der Jordanier siegte mit 9:3 Punkten.

Finale Herren bis 74 kg (am 18. Mai)
Ahmad Abughaush (Jordanien) – Simone Alessio (Italien)
Bronzemedaillen:
Daniel Quesada Barrera (Spanien)
Kairat Sarymsakov (Kasachstan)

Der dritte Wettkampftag aus deutscher Sicht:

Martin Stach (Herren bis 74 kg) gewann seinen ersten Kampf gegen Pak Lam Or (Hongkong) durch Golden Point.  Dem Australier Jack Marton muss sich der Deutsche mit 6 : 9 Punkten beugen.

Ela Aydin (Damen bis 49 kg) setzte sich gegen Maria Belen Bucheli (Ecuador) mit 23 : 3 Punkten vorzeitig durch und besiegte Vizeeuropameisterin Natalia Antipenko (Russland) 17:12. Im Viertelfinale traf Ela auf die dreifache Europameisterin Rukiye Yildirim aus der Türkei, der sie sich mit 18 : 23 Punkten beugen musste.

Am vierten Wettkampftag (19. Mai) starten die Damenklassen bis 53 und bis 57 kg sowie die Herrenklassen bis 63 und bis 80 kg.
Für Deutschland treten Madeline Folgmann (-53 kg), Celine Schmidt (-67 kg), Jordanis Konstantinidis (-63 kg) und Tahir Gülec (-80 kg) an.

Die vollständigen Poollisten gibt es hier:

http://kickingforglory.com/2019/05/17/saturday-18th-may-draw-sheets/