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Die Werte des Taekwondo – Meister Jeong In-choul

Veränderung gehört zu den schwierigsten Aufgaben im Leben eines Menschen. Taekwondo kann dabei nicht nur körperliche Kraft vermitteln, sondern auch Disziplin, Charakter und innere Haltung formen. Diese Gedanken widmet Meister Jeong In-choul allen Lehrern, die mit Geduld und Hingabe junge Menschen auf ihrem Weg begleiten.

Widerstand gegen Veränderung

Menschen sind bekanntermaßen schwer für Veränderungen zu gewinnen. Mit zunehmendem Alter verstärkt sich diese Tendenz. Oft heißt es: Sobald man die 40 überschritten hat, ändert man sich nicht mehr. Eine beunruhigende Vorstellung – bedeutet sie doch, dass ein Mensch von diesem Zeitpunkt an unbeirrt auf seinem einmal eingeschlagenen Weg verharrt, bis zum Tod?

Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, wird er von der Trägheit seiner Gedanken und Verhaltensweisen – ob bewusst oder unbewusst – wie an unsichtbaren Fäden weitergezogen. Der Psychologe Carl Jung nannte dies „psychologische Trägheit“. Menschen neigen dazu, Entwicklung und Veränderung zu widerstehen, und finden Trost darin, ihrer gewohnten Trägheit zu folgen. Mit anderen Worten: Viele leben im Autopilot-Modus, statt sich mit komplexen Denkprozessen auseinanderzusetzen oder bewusst an ihrer Verbesserung zu arbeiten. Oft glauben sie sogar, ihre Entscheidungen seien das Ergebnis rationalen Denkens, während sie tatsächlich durch gezielte Botschaften beeinflusst und manipuliert werden.

Wenn also Korrekturen oder Veränderungen nötig sind, ist es am besten, so früh wie möglich damit zu beginnen – bevor sich diese Muster tief verankern.

Gesellschaftliche Einflüsse

Doch ist es heute noch zeitgemäß zu sagen, dass Veränderung vor dem 40. Lebensjahr erfolgen muss? Ich glaube, dieses Alter hat sich deutlich verschoben. Früher empfanden Menschen Scham, wenn andere auf ihre Fehler hinwiesen. Heute ist das anders: Verhalten, das für andere peinlich oder unangebracht wirkt, wird oft als persönliche Freiheit verteidigt. In der modernen Gesellschaft stehen Vielfalt und individuelle Selbstverwirklichung über klaren Vorstellungen von richtig und falsch. Auch wenn Lehrer oder Erwachsene auf Verbesserungsbedarf hinweisen, findet kaum Veränderung statt, wenn der Betroffene sie nicht selbst akzeptiert.

Schon unter Zwanzigjährigen findet man Sturheit. Ein „Kkondae“* zu sein bedeutet nicht nur, ungefragt Ratschläge zu geben, sondern auch, an schlechten Gewohnheiten starr festzuhalten und diese als „persönlichen Stil“ auszugeben, ohne die Peinlichkeit zu erkennen. Hinzu kommen Einflüsse wie ständige Medienpräsenz und Sucht nach Smartphones, Computern oder Spielen – Faktoren, die das Leben ernsthaft beeinträchtigen können. So wird man leicht schon vor dem 40. Lebensjahr zum Sklaven einer süchtig machenden Trägheit.

(Wie bekannt, können Spiel- und Smartphone-Sucht zu einer Dopaminsucht führen, die aus momentanen Reizen entsteht – sie erzeugt impulsive, ungeduldige Menschen ohne Verantwortungsbewusstsein und Durchhaltevermögen.)

In dieser modernen Gesellschaft wächst der Zweifel, wie viele Menschen tatsächlich nach Selbstverbesserung streben und bereit sind, sich zu ändern. Der Fokus liegt stärker auf Erfolg und äußerer Selbstentwicklung, weniger auf dem Bemühen, ein besserer Mensch zu werden. Doch kann eine Gesellschaft gesund bleiben, die geistige Werte zugunsten von äußerem Erfolg vernachlässigt?

Die Rolle der Lehrer

Trotz dieser Realität sehe ich meine Aufgabe als Lehrer in der „Gyohwa“ – der Umwandlung durch Lehre. Das größte Glück eines Lehrers besteht nicht nur darin, die Wirkung seiner Unterweisung zu sehen, sondern auch die Veränderung und Verbesserung seiner Schüler mitzuerleben.

Wir lehren zwar in erster Linie Taekwondo, doch das eigentliche Ziel muss sein, Taekwondo als Medium zur Persönlichkeitsbildung einzusetzen. Selbst wenn ich einen Weltmeister im Taekwondo hervorbringe – sollte dieser von anderen verspottet werden, weil er menschlich versagt, könnte ich als Lehrer niemals Stolz empfinden.

Unsere Aufgabe ist es, künftige Führungspersönlichkeiten zu prägen, die diese Gesellschaft tragen und leiten werden. Glücklicherweise sind die jungen Menschen, die wir unterrichten, noch formbar. Selbst wenn sich schlechte Gewohnheiten bereits zeigen, sind sie in einem Alter, in dem sie diese noch korrigieren können. Genau deshalb ist es so wichtig, dass junge Menschen Taekwondo und dessen Geist erlernen. Die Verantwortung und Rolle der Lehrer sprechen hier für sich.

Drei Prinzipien für Veränderung

Für eine erfolgreiche Veränderung sind drei Punkte entscheidend:

  1. Erkennen, was verbessert werden muss:
    Der Lehrer muss genau diagnostizieren, woran der Schüler arbeiten sollte. Hierbei geht es um Metakognition – Schüler müssen ihre Schwächen erkennen. Lehrer sollten dies objektiv benennen und die Schüler dafür sensibilisieren. Wie Mencius sagte: „Um zu wissen, was getan werden soll, muss man zuerst wissen, was nicht getan werden darf.“ Der Lehrer sollte dabei stets den Charakter des Schülers respektieren, aber gleichzeitig klar und präzise lehren, was korrigiert werden muss.
  2. Korrektur lehren und Alternativen aufzeigen:
    Der Lehrer soll nicht nur auf Fehler hinweisen, sondern auch erklären, warum sie zu ändern sind, und konkrete Alternativen bieten. Wenn ein Schüler nicht richtig grüßt, genügt es nicht zu sagen: „Du solltest richtig grüßen.“ Man muss zeigen, wie ein angemessener Gruß aussieht. Dies nennt man im Koreanischen „Myeonggyo“ – erleuchtende Unterweisung. Ebenso sind Ermutigung und Lob für Fortschritte entscheidend.
  3. Das eigene Vorbild prüfen:
    Lehrer müssen ihr eigenes Verhalten ständig reflektieren. Da es kaum jemanden gibt, der sie kritisiert, ist Selbstprüfung unerlässlich. Sie sollten sich fragen, ob sie selbst unbewusst Fehler machen, die sie bei Schülern kritisieren, und ob ihr Auftreten mit dem übereinstimmt, was sie lehren.

Schlusswort

Ich möchte diesen Beitrag mit Respekt und Dank an alle Taekwondo-Lehrerinnen und -Lehrer in Korea und auf der ganzen Welt beenden.
Vielen Dank für euren Einsatz – macht weiter so!

* Kkondae (kor.: 꼰대): Bezeichnung für jemanden, der anderen seine überholte Denkweise aufzwingt – oft eine ältere Person, aber nicht ausschließlich.