„Taekwondo wird niemals aus dem olympischen Programm gestrichen!“

– Meister Jeong In-choul

Korea gewann bei den Olympischen Spielen in Paris im letzten Jahr zwei Goldmedaillen im Taekwondo. Das ist zweifellos ein großer und erfreulicher Erfolg.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio hingegen war Korea im Taekwondo ohne Goldmedaille geblieben – für viele in der Taekwondo-Gemeinschaft war das ein schmerzlicher Moment. Manche sahen darin sogar ein Anzeichen für eine Krise des Taekwondo.

Doch gerade die Tatsache, dass das Ursprungsland des Taekwondo keine Goldmedaille gewinnen konnte, zeigt paradoxerweise, wie erfolgreich sich Taekwondo globalisiert hat. Es ist also kein Grund zur Enttäuschung, sondern vielmehr ein Beleg für die weltweite Entwicklung unseres Sports.

So nahmen bei den Olympischen Spielen in Tokio 61 Nationen – einschließlich des Refugee Teams – an den Taekwondo-Wettbewerben teil, und 21 dieser Länder konnten Medaillen gewinnen. Die Erfolge verteilten sich damit auf eine große Zahl unterschiedlicher Nationen.

Seit Taekwondo bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney erstmals olympisch wurde, haben in nur sechs Austragungen insgesamt 41 Länder Medaillen gewonnen. Für mehrere dieser Nationen war Taekwondo sogar der Sport, der ihnen ihre erste olympische Medaille überhaupt ermöglichte – eine bemerkenswerte Entwicklung.

Im Vergleich zu vielen anderen Sportarten hat Taekwondo eine sehr niedrige Einstiegsschwelle. Weder für das Training noch für Wettkämpfe sind aufwendige oder teure Anlagen erforderlich. Selbst in sehr armen Ländern genügt eine einfache Matte, um zu trainieren – und wo selbst diese fehlt, ist Training auch auf einfachem Untergrund möglich. Solange es ein Person gibt, die unterrichtet und Menschen, die lernen möchten, kann Taekwondo ausgeübt werden. Kaum eine andere Sportart ist so zugänglich.

Wer einen Blick auf digitale Karten wirft, wird feststellen, dass es weltweit nur sehr wenige Länder gibt, in denen man keinen Taekwondo-Dojang findet.

Taekwondo ist damit eine Sportart, die auch in wirtschaftlich schwachen und strukturell benachteiligten Ländern praktiziert werden kann – und Athletinnen und Athleten aus diesen Regionen echte Chancen auf internationale Erfolge eröffnet.

Taekwondo erfüllt in besonderem Maße die Kriterien der Universalität, da Sportlerinnen und Sportler aus nahezu allen Ländern teilnehmen können, sowie der Gleichberechtigung, weil wirtschaftliche Voraussetzungen kaum eine Rolle spielen.

Damit entspricht es in hohem Maße dem olympischen Geist. Gibt es viele Sportarten, die Diskriminierung so konsequent vermeiden, gleiche Chancen ermöglichen und Vielfalt so selbstverständlich respektieren wie Taekwondo?

Angesichts dieser Werte und dieser weltweiten Bedeutung spricht vieles dafür, dass Taekwondo auch künftig ein fester Bestandteil der Olympischen Spiele bleiben wird.

Zum Autor:

Meister Jeong In-choul

  1. Dan Kukkiwon | 8. Dan Ohdokwan

Ehemaliger Professor für Taekwondo-Philosophie (Kukkiwon/WTA)

Präsident der World Combative Taekwondo Union

Buchautor: The Spirit of Taekwondo, Smart and Practical Self

Defense u. a.

Internationale Lehrtätigkeit in Europa, Asien und Nordamerika

Forschungsschwerpunkte: Taekwondo und konfuzianische Ethik

Website: www.combativetaekwondo.com

YouTube: Master Jeong’s Taekwondo